Ventilschaftabdichtungen beim 230 SL wechseln

Vorwort

Diese Montagebeschreibung wurde nur erstellt, um den technisch interessierten Oldtimerfreunden einmal einen Einblick zu ermöglichen.

Warnung !

Diese Reparatur sollte nur von qualifizierten Fachleuten durchgeführt werden. Nicht fachgerechte Montage kann zu kapitalen Motorschäden führen.

Häufig sieht man, gerade bei älteren oder bei Motoren mit hoher Laufleistung, eine blaue Rauchentwicklung im Schiebebetrieb des Motors.

Ursache für diese unangenehme Erscheinung ist entweder ein übermäßiger Verschleiß der Zylinder bzw. der Kolbenringe oder aber auch in sehr vielen Fällen schadhafte Ventilschaftabdichtungen.

Die Schaftabdichtungen sind Kunststoffkappen und befinden sich auf den Einlass- und auch auf den Auslassventilen. Sie sollen die Ventile gegen das Motoroel im Zylinderkopf abdichten.

Auf Grund der Wärmeentwicklung und des Alters härtet das Material aus. Die Abdichtungen sind nicht mehr elastisch, werden undicht oder springen von den Ventilführungen.(Abb.1)

Hier eine lose Abdichtung, hängt oben am Ventilteller

Abbildung 1
Typische Anzeichen für defekte Schaftabdichtungen sind:
  • Blaue Rauchentwicklung aus dem Auspuff
  • Nasse und verölte Zündkerzen
  • Häufiger Ausfall eines oder mehrerer Zylinder
  • Starke Ablagerungen auf der Zündkerze (Krustenbildung)
  • Steigender Oelverbrauch

Die Reparatur bzw. das Wechseln der Dichtungen lässt sich ohne den Zylinderkopf zu demontieren durchführen.

Vorbereitende Maßnahmen und benötigtes Spezialwerkzeug (Abb.2)

Vor Arbeitsbeginn sollte unbedingt die Kompression des Motors geprüft werden. Eine schlechte oder ungleiche Kompression der einzelnen Zyl. macht die Arbeit sinnlos.

  • 1.Ventilmontage-Werkzeug
  • 2.Abdichtungs-Montage-Werkzeug
  • 3.Ventil-Einstellschlüssel
  • 4.Druckluftanschluß und Adapter für Zündkerzen
  • 5.Ventillehre

Abbildung 2

Montage:


Abbildung 3

Abbildung 3

Unterdruckleitung zum Bremskraftverstärker, Gasgestänge und Ventildeckel abbauen.(Abb.3)


Abbildung 4

Abbildung 5

Zündkerze des zu bearbeitenden Zylinders ausbauen, Druckluft-Adapter einschrauben. (Abb.4)

Beide Ventile des zu bearbeitenden Zylinders müssen geschlossen sein. Halteklammer vom Kipphebel entfernen. (Abb.5 )


Abbildung 6

Abbildung 7

Mit dem Ventilheber wird die Ventilfeder hinunter drücken, der Kipphebel (Abb.6) und das Gleitstück (Abb.7 )herausgenommen.

Jetzt den Druckluft-Adapter an das Druckluftsystem anschließen.


Abbildung 8

Abbildung 9

Die Ventilfeder wird nun wieder mit dem Heber wieder zusammengedrückt, durch die Druckluft im Zylinder bleibt das Ventil geschlossen. Mit Hilfe eines kleinen Schraubendrehers und eines Magneten können die Ventilkeile entfernt werden. (Abb.8)

Die Ventilfeder kann jetzt herausgenommen werden. (Abb.9)


Abbildung 10

Abbildung 11

Nun lässt sich die schadhafte Abdichtung mit einem Schraubendreher von der Ventilführung herunter heben. (Abb.10)

Jetzt ist unbedingt erst die Ventilführung auf Verschleiß zu prüfen. (Verschleiß an Sitzfläche der Abdichtung und fester Sitz der Führung). Ist alles in Ordnung kann mit der Reparatur fortgefahren werden. Damit die neue Schaftabdichtung nicht beschädigt wird, steckt man vor der Montage der neuen Abdichtung, die im Rep-Satz beiliegenden Hütchen über den Ventilschaft. Ist die Abdichtung über die Nut am Ventilschaft gerutscht, wird das Hütchen wieder entfernt.(Abb.11)


Abbildung 12

Abbildung 13

Mit der Montagehülse wird die neue Abdichtung nun auf die Ventilführung aufgedrückt.(Abb.12) Die Abdichtung muss fest auf der Ventilführung sitzen und darf sich nicht mehr bewegen lassen. (Ist dieses nicht der Fall, kann die Arbeit abgebrochen werden und der Zylinderkopf muss überholt werden)

Nun kann die Ventilfeder und der Kipphebel, nachdem sie auf Verschleiß und Bruch geprüft wurden, wieder wie oben beschrieben montiert werden. (Abb.13) Diese gesamten Arbeitsvorgänge werden dann nacheinander an allen anderen Zylindern gleichermaßen durchgeführt.


Abbildung 14

Abbildung 15

Nachdem nun alle Ventilschaftabdichtungen erneuert wurden, müssen die Ventile neu eingestellt werden. (Abb.14-15)

Anschließend wird der Ventildeckel mit einer neuen Dichtung versehen, das Gasgestänge und die Unterdruckleitung wieder montiert.

Bei sorgfältiger Arbeitsweise ist mit einem Zeitaufwand von ca. 4 Stunden zu rechnen.

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Klaus-Peter Falke
http://www.oldtimer-motoren.de

Veröffentlicht:
18. August 2017
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