Einspritzleitungen tauschen?

Dieses Thema im Forum "Technik - Motor, Getriebe und Fahrwerk" wurde erstellt von Ulli, 20. November 2005.

  1. Ulli

    Ulli Altbenzlenker

    3. April 2004
    Hallo, zusammen,

    im WHB ab August 59, Band 1, das auch für den 230 SL gilt, steht unter Pkt. 00-15/3:

    "Die Einspritzleitungen von der Einspritzpumpe zu den beiden Kraftstoff-Zuteilstücken sind nach einer Laufzeit des Motors von etwa 70.000 KM zu erneuern, und zwar bei allen Motoren mit der Baumuster-Bezeichnung 127.980 und bei den Motoren mit der Baumuster-Bezeichnung 127.982 bis Motor-End-Nr. -10-003 369 und bei den Motoren mit der Baumuster-Bezeichnung 127.983 bis Motor-End-Nr. -10-000 540 und -11-000 124. Motoren mit höheren Endnummern sind serienmäßig mit Leitungen aus Chrom-Nickelstahl ausgerüstet. Eine Erneuerung der Leitungen ist erst nach 100.000 KM Laufzeit des Motors erforderlich.

    Zwar beziehen sich die Aussagen nicht auf den im 230 SL verbauten Motortyp 127.981, aber trotzdem die Frage: Ist das bei der Pagode ggf. auch nötig? Schließlich wird ab 100.000 KM ein genereller Austausch genannt? Können Versäumnisse hier evt. neben der ESP auch zu Startproblemen beitragen (Ablagerungen in den Leitungen o. dgl.)?

    Eine Antwort der Motorenspezis hier im Forum würde mich brennend interessieren. Natürlich insbesondere auch von den alten Hasen mit eigener MB-Historie, wie Klaus oder Robert.

    Danke für Euer feedback!

    Gruß

    Ulli
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Juli 2007
  2. Robert Nolte

    Robert Nolte Robert Nolte

    241
    25. Januar 2005
    Einspritzleitungen tauschen

    Hallo Ulli,
    Deine Frage kann so pauschal nicht beantwortet werden.Die Angabe im Werkstatthandbuch ist sicherheitshalber auf die Typen 220SE,250SE und
    280SE im 111 Coupe und Cabriolett mit den 2 Zuteilstücken angewendet
    worden.Alle Pagodenmotoren 230 Sl 127 981,250 Sl 129 982,280Sl 130 983
    besitzen nicht diese Konstruktion.
    Bei unseren Autos geht die Einspritzleitung von der Pumpe d i r e k t zu dem
    zugehörigen Einspritzventil am Motor und zwar einzeln.
    Am Anfang waren die Einspritzleitungen noch nicht aus nahtlos gezogenen
    Röhrchen.Das verfahren der nahtlos gezogenen Röhren,wurde erst in den sechziger Jahren von Thyssen erfunden und patentiert.
    Am Anfang gab es deshalb im Bereich der Bördelung am jeweiligen Ende der
    Leitung das Problem,das ein Leitung mit Naht beim anziehen auf ihren Dicht
    sitz aufging.Dort trat dann Kraftstoff aus und konnte auf den heißen Krümmer
    tropfen.(Brandgefahr).
    Nahtlos gezogene Leitungen und eine veränderung des Materials ( Chrom-
    Nickelstahl),haben es ermöglicht,das dieser sicherheitstausch nicht mehr
    zwingend nötig ist.
    Es traten bei Testläufen aber immer wieder Schwingungsrisse auf und das
    führte dann zu den Leitungshaltern mit Gummielementen.Diese sollte tunlichst an den dafür vorgesehenen Stellen montiert sein,und unbeschädigt.
    Früher waren die Schwankungen in der Spritqualität auch viel stärker und
    der Bleigehalt schwankte stark.Deshalb kam es auch zu Bleiablagerungen
    in allen Spritberührten Bauteilen.Eben auch an den Einspritzleitungen und
    diese veränderten Ihren Querschnitt.Bei Einspritzdrücken von 17 -18 bar
    ist das durchaus von relevanz.
    Dein Auto wird aber mit Sicherheit nicht mehr die damals im Werk montierten Leitungen ausgerüstet sein.Also sind die Leitungen schon mal
    getauscht worden und wenn sie dicht und unbeschädigt sind würde ich sie
    persönlich nicht einfach tauschen.
    Wenn Dein Auto Motorprobleme hat,dann wird das in den seltesten Fällen
    an den Eispritzleitungen liegen.Aber ein bekannter Japanischer Autohersteller sagt ja: Nichts ist unmöglich.

    Gruß Robert

    PS:Hallo Detleff,mach mich nicht gleich wieder fertig,meine Ausführung ist eine von vielen und dieses Forum macht Spass,weil es viele Meinungen gibt.
    :banane:
     
  3. Ulli

    Ulli Altbenzlenker

    3. April 2004
    Hallo, Robert!

    vielen Dank für Deine schnelle und vor allem sehr umfassende Antwort.:klatsch:

    Es geht also um zwei Faktoren:

    1. Sicherheit: Betrifft bauartbedingt vorrangig die 111er Modelle.
    2. Querschnittverengung bei alten Leitungen, und zwar baugruppenübergreifend.

    Leider bin ich mir ganz und gar nicht sicher, dass die Einspritzleitungen schon mal gewechselt wurden. Soweit ich die Historie aus Gesprächen mit allen Vorbesitzern nachvollziehen konnte, müsste die derzeitige Laufleistung von rd. 97.000 KM original sein. Der Wagen war knapp zehn Jahre stillgelegt und bei seiner Wiederbelebung 1997 sind die ESP-Leitungen offensichtlich in die Galvanik gegeben worden. Für einen damaligen Tausch spricht eigentlich nichts. Gibt es einen bestimmten Grund, dass Du dass so klar vermutest? Und weiter: Kann man davon ausgehen, dass Altablagerungen in den Galvankibädern gelöst und entfernt worden sind oder eher nicht. Läßt sich der innere Zustand der Leitungen (Querschnitt / Ablagerungen) irgendwie feststellen, um nicht umsonst Geld für neue auszugeben?

    Habe übrigens keine Probleme mit dem Motor. Der läuft nach der Überholung durch Klaus wie ein Uhrwerk. Ich frage mich aber , inwieweit die Warmstartprobleme wegen einiger (leider NML) undichter Druckventile der ESP eventuell auch noch von verengten ESP-Leitungen beeinflußt werden könnten. (ESP-Überholung wird wohl erst 2006 angegangen. Leider ist meine Geldpresse im Keller kaputt, sonst hätte ich das dieses Jahr - wie eigentlich geplant - schon erledigt :eek: :luegner: ...) Auch frage ich mich, in welchem Umfang dass erkennbaren Einfluß auf die Durchzugskraft des Motors haben könnte.

    Gruß

    Ulli - tauschen oder nicht tauschen, dass ist hier die Frage:mad:
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. November 2005
  4. Pagoden-Klaus

    Pagoden-Klaus Aktives Mitglied

    803
    7. März 2004
    Benzinleitungen

    Hallo Ulli und Robert,
    an die genauen Hintergründe kann ich mich nicht mehr erinnern und meine Literatur gibt auch nichts genaues her.

    Aber ich weiß, es gab bei den besagten Modellen mit der Zweistempelpumpe häufiger gebrochene Kraftstoffleitungen.

    Gruß Klaus
     
  5. Robert Nolte

    Robert Nolte Robert Nolte

    241
    25. Januar 2005
    Benzinleitungen

    Hallo Uli,
    wenn Deine Einspritzleitungen in der Galvanik waren,dann sind sie entsprechend warm vorbehandelt worden.Vorhandenen Ablagerungen zu
    diesem Zeitpunkt sind dann zu 95% entfernt.Aber solche Leitungen müssen
    zwingend mit Prüfoel vor dem Einbau gespült werden.
    Wir haben in unserer Motorinstandsetzung früher die Leitungen einzeln mit
    einer Prüfkugel durchrollen lassen.Dafür standen verschiedene Durchmesser
    zu verfügung.Steckte eine Kugel fest,wurde sie mit Druckluft wieder ausgeschossen.Jeder Lehrling durchlief diesen schmerzhaften Test des Kugel
    auffangens.(Muß man natürlich einen Lappen dafür nehmen)Die Gesellen
    haben das aber natürlich "Vergessen" zu sagen.
    Wenn Du warmstartprobleme hast und Du weist das Deine Druckventile undicht
    sind,dann glaube ich aus meiner Erfahrung herraus nicht an vereengte Leitungen.
    Wie hast Du eigentlich die undichten Ventile festgestellt???
    Undichte Ventile zeigen sich ja eigentlich in längerem Startverhalten,da
    die Pumpe mehr Zeit zum Druckaufbau braucht.Der Motor springt bei der
    Diagnose allerdings nicht auf allen Zylindern gleichzeitig an.Du schreibst
    aber er läuft wie ein Uhrwerk!!!!????.
    Bei undichten Druckventilen kommt das Problem des schlechten Durchzugs
    eigentlich nicht zum tragen.Mit zunehmender Drehzahl hat die Pumpe von
    Haus aus eine starke Förderleistung und das Dichtproblem geht aufgrund
    der Trägheit und des Abspritzens an den Ventilen nicht so sehr ein.
    Wenn die Pumpe so stark undicht ist das Du Übergangsprobleme hast,dann
    müßte das in Oelverdünnung zu sehen sein.
    Also bevor Du Deine Pumpe ausbaust und für viele Euronen machen läßt,
    müßtest Du erst noch ein paar andere Sachen definitiv ausschließen.

    Gruß Robert
     
  6. Ulli

    Ulli Altbenzlenker

    3. April 2004
    Hallo, Robert,

    die Problematik ist exakt wie Du sie oben beschrieben hast. Der Begriff vom Uhrwerk bezog sich - leider - nicht auf den Startvorgang. Alle anderen Ursachen sind übrigens abgeklärt.

    Gruß

    Ulli
     
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