Heizung Bedienteil Beleuchtung

Dieses Thema im Forum "die Mercedes Benz „Pagode“" wurde erstellt von TomRamoser, 18. Mai 2023.

  1. TomRamoser

    TomRamoser Aktives Mitglied

    336
    21. August 2020
    Servus zusammen,

    eigentlich war nur eine Lamelle der Lautsprecherabdeckung lose und, weil ja immer eines zum andern kommt, hatte ich schließlich das Bedienteil der Heizung in der Hand, von dem nachts kaum mehr als ein müdes Glimmen zu sehen war.

    Der Plan war, alles zu säubern, über meinen Schatten zu springen und LEDs einbauen, wie ja hier schon oft diskutiert.

    Fast Forward: Es kam dann doch ganz anders, ohne LED, denn mit ein paar Modifikationen ist es möglich die Helligkeit der indirekten Beleuchtung mit Glühlampen deutlich zu verbessern.

    Aber der Reihe nach.

    Soweit ich das überblicken kann, ist dieses Bedienteil eine der ersten, wenn nicht die erste mechanischen Bedienanlage mit indirekter Beleuchtung in einem Auto überhaupt; im 300 SL und 190 SL waren es noch Chromhebel und Tastsinn; und Dieter Rams hat diese Art der Beleuchtung erst in den 1970er Jahren in die Hi-Fi Geräte von Braun eingebaut.

    Die Idee der Mercedes-Benz-Ingenieure, diese Hebel indirekt zu beleuchten, ist ebenso einfach wie brillant: Ein zylindrisches Lampengehäuse aus Plexiglas ersetzt die Achse der Bedienscheiben und strahlt das Licht einer Glühlampe nach dem Lichtleiter-Prinzip radial in die farbig-transluzenten Scheiben bis in die geriffelte Front ein, siehe Anlage.

    Einzig, der Teufel steckt im Detail.

    Während die Glühlampe das Licht sphärisch abstrahlt, kann nur ein sehr kleiner Teil des Lichts in die horizontale Ebene der Bedienscheiben gelangen. Der Boden vom Lampengehäuse ist deshalb auch weiß lackiert, um verlorenes Licht wieder in das Gehäuse und – mit Glück – weiter in die Bedienscheiben zu reflektieren. Zum größten Lichtverlust in der Kette kommt es dann beim Übergang vom Lampengehäuse zur Bedienscheibe mit einem dreifachen Wechsel des optischen Mediums, siehe Stelle „A“ in der Anlage. In Summe kommen deshalb von den rund 160 Lux der Glühlampe weniger als 10 % an der geriffelten Front der Bedienscheiben an.

    Damit nicht genug, denn mit jeder neuen Einstellung der Bedienscheiben nimmt dieser Lichtverlust unvermeidbar weiter zu / die Helligkeit ab, denn an den Kontaktflächen von Lampengehäuse und Bedienscheiben entstehen durch Abrieb im Plexiglas immer mehr Schlieren und blinde Stellen bis kaum mehr Licht durchdringt, wie in meinem Bedienteil.

    Für ein Rätsel sorgte zunächst ein matt-weißes Farbband in einem der beiden Lampengehäuse, welches von Hand auf der Innenseite aufgepinselt ist. Dieses Farbband war in meinem Bedienteil vor der Topas-farbigen Bedienscheibe, in die praktisch kein Licht mehr gelang. Meine Vermutung war, dass dieses Farbband über die Jahrzehnte so verwittert ist, dass kein Licht mehr durchdringen konnte und deshalb besser entfernt werden sollte; falsch, wie sich später herausstellte.

    Jetzt folgt die sorgfältige Reinigung aller Teile. Besonders die Plexiglasteile sollten an den entscheidenden Stellen innen und außen auf Hochglanz poliert und dabei alle Kratzer, Schlieren und blinde Stellen entlang der Lichtleiter vollständig entfernt werden. Hartnäckigkeit lohnt sich hier.

    Das weiß-matte Farbband in einem der beiden Lampengehäuse sollte bleiben; ich habe meines erst mühsam entfernt und musste es dann doch wieder einbringen.

    Ein zusätzlicher, hochglänzender weißer Lack auf dem Boden der Lampengehäuse-Innenseite verbessert die Reflexion und erhöht die Helligkeit der indirekten Beleuchtung deutlich, ist sehr zu empfehlen.

    Die Beschaffung einer geeigneten LED-Lampe gestaltete sich in meinem Fall sehr schwierig, denn alle von Sead, Alfred und Oliver empfohlenen LED Lampen waren nicht mehr lieferbar, habe dann eine Ruiandsion ASBA7S bestellt, mit ewiger Lieferzeit.

    Die Messwerte für die originale Osram Glühlampe sind 164 Lux bei 2.700 Kelvin mit sehr breitem Spektrum und mit hohem Gelb-, Rot- und Blau-Anteil.

    Alles wieder zusammengebaut ergaben sich für die originale Glühlampe die folgende Werte für die Farben an der geriffelten Front der Bedienscheiben in Neuzustand:
    • Blau; Spektrum mit Peaks bei 360, 420, 630 nm; 29 Lux
    • Rot; Spektrum mit Peaks bei 440, 740, 780 nm; 12-13 Lux
    • Topas; Spektrum mit Peaks bei 410, 430, 680, 710, 730 nm; 9 Lux
    Erst jetzt erkannte ich, dass das weiß-matte Farbband für die blaue Bedienscheibe links-oben bestimmt war; in meinem Fall war dieses Lampengehäuse nur auf der falschen Seite eingebaut. Mit dem Farbband beträgt die Helligkeit der blauen Bedienscheibe dann 15 Lux, wie die anderen Scheiben auch.

    Schließlich traf die LED-Lampe ein, stellte sich aber als völlig ungeeignet heraus. Die Lichtstärke ist zwar deutlich höher, 232 Lux, aber das Spektrum ist bei 7.300 Kelvin sehr blau-lastig. In das Bedienteil eingebaut verschoben sich die Farben der Bedienscheiben ebenso merklich ins Blaue; Topas ist damit fast rein-weiß.

    Ich bin sicher, dass es kompatible LED-Lampen gibt, aber ich habe es dann doch vorgezogen bei der Glühlampe und den originalen Farbtönen zu bleiben, denn alles ist ja relativ: Gemessen an modernen Instrumentenbeleuchtungen ist dieses Bedienteil sicher dunkel, aber gemessen an nicht-beleuchtet ist es dann schon sehr hell.

    Cheers vom Tom

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    Zuletzt bearbeitet: 18. Mai 2023
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  2. Bernhard R.

    Bernhard R. Aktives Mitglied

    597
    3. August 2014
    Tom,
    wie immer der Hammer. Wo nimmst Du die Zeit her?
    Werde ich auf jeden Fall beachten, wenn ich mal wieder da ran muß.
    Grüssle und bis hoffentlich bald mal wieder
     
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  3. thomasj

    thomasj Mitglied

    20
    2. Mai 2010
    Hallo Tom,
    Super erforscht mit Blick fürs Detail, und klasse Lösungen gefunden.
    Ich muß für unseren 230SL noch dieses frühe Heizungsbedienteil besorgen (der Vorbesitzer hatte in den 90ern alles auf 280SL umgerüstet), bevor ich das dann einbaue optimiere ich es nach der Tom-Ramoser-Methode.
    Danke!
    Viele Grüße,
    Thomas
     
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  4. california bernie

    california bernie Aktives Mitglied

    171
    30. Mai 2019
    Servus Tom,

    mal wieder ein Spitzenbeitrag von Dir. Und das an Himmelfahrt....
    Man kann auch die BA7S 2W gegen 3W austauschen.
    Hatte ich vor 3 Jahren gemacht. Helligkeit ist nun vollkommen ausreichend .
    Die Lampengehäuse sollten aber schon in sehr guten Zustand sein.

    Gibts noch in der Bucht :https://www.ebay.de/itm/122753044623

    Grüße aus dem Westen
    Bernie
     
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  5. hybrid

    hybrid Aktives Mitglied

    80
    2. März 2016
    Moin Tom,

    vielen Dank und Hut ab!

    Gruß aus Münster
    Hubert
     
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  6. thomasj

    thomasj Mitglied

    20
    2. Mai 2010
    Hallo Tom,
    nochwas:
    diese frühen Bedienscheiben haben ja diese schwarze Lackierung der hinteren Hälfte.
    Ist dies wirklich nur schwarz lackiert? Oder eher schwarze Lackierung auf weißer hochglänzender Lackierung?
    Dann würde das Licht in der Scheibe nicht vom schwarzen Lack verschluckt, sondern erst vom weißen Lack reflektiert, was wieder die Lichtausbeute vergrößert.

    In dem Zusammenhang darf man auch mal einen Blick auf die bunten Nachfertigungs-Bedienscheiben werfen die überall angeboten werden. Die haben garkeine Lackierung, wenn man die verbauen will würde sich empfehlen den Bereich hochglänzend weiß, dann schwarz zu lackieren.

    Viele Grüße,
    Thomas
     
  7. Sead

    Sead Aktives Mitglied

    773
    16. Februar 2016
    tja...
    o_O
     
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  8. TomRamoser

    TomRamoser Aktives Mitglied

    336
    21. August 2020
    Servus zusammen,

    vielen herzlichen Dank für das super Feedback; freut mich sehr.

    Soviel Arbeit war es gar nicht; ich dokumentiere ja gerne und nutze immer wieder Zeitlücken zum Schreiben.

    Vielen Dank Bernie für den Link! Ein geradezu elementarer Konstruktionsfehler ist, trotz aller Brillianz, dass das Lampengehäuse keine Lüftungsöffnungen hat, die Wärme der Glühlampe sich also im Inneren staut und es zudem wenig Fläche für Konvektion gibt.

    Zur Frage von Thomas, ich habe gerade nochmal nachgesehen, es ist keine weiße Lackschicht unter dem schwarze Abdecklack; der schwarze Abdecklack hilft schon sehr bei der Reflexion innerhalb der Bedienscheibe, denn auch eine schwarze Lackschicht ist ja optisch ein viel dichteres Medium als Luft; es braucht dazu keine weitere weiße Schicht.

    Es gibt aber noch einen weiteren Grund für den schwarzen Abdecklack, denn es tritt dennoch immer ein wenig Licht aus, siehe Bild unten, und das würde den Innenraum vom Bedienteil erhellen und von der geriffelten Front optisch ablenken.

    Mir ist aufgefallen, dass die Bedienscheiben in den Metallrahmen mit einer zusätzlichen Nut eingelassen sind und das Lampengehäuse damit lichtdicht machen; das macht nur Sinn, wenn kein Streulicht austreten soll.

    Die hochglänzende Lackschicht über dem Boden im Lampengehäuse verbessert die Reflexion hingegen sehr, denn das Licht von der Glühbirne wird sofort reflektiert und muss nicht erst durch das Plexiglas vom Boden, unter dem Boden von der weissen Lackschicht zurückreflektiert und dann nochmal zurück durch das Plexiglas dringen.

    Cheers vom Tom

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    Zuletzt bearbeitet: 18. Mai 2023
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  9. honeyfritz

    honeyfritz honeyfritz

    149
    23. Januar 2007
    Wieder mal ein exzellent dokumentierter Beitrag von Tom!
    Viele Grüße aus Nürnberg
    Fritz
     
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  10. 230SLblue

    230SLblue Aktives Mitglied

    479
    9. August 2005
    Hallo Tom, Klasse wie immer!
    Nun weiss ich warum die Scheiben im 280SL immer schlechter beleuchtet sind als die in dem 230SL, egal welche Birnen drin sind. Das farbliche Licht wird nicht vom vorderen Teil der Scheibe + Knopf direkt ins Cockpit abgestrahlt sondern in den "Abyss" dahinter. Der schwarze Hebel mit Knopf leuchtet ja nicht.
    Würde mich interessieren ob in der 280SL Anlage auch das weise Farbband vorhanden ist. Und wie hoch die Lux Werte sind.
     

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  11. TomRamoser

    TomRamoser Aktives Mitglied

    336
    21. August 2020
    Das ist ja interessant, lieber Alfred.

    Das sieht ganz so aus als hätte jemand den Stecker gezogen und die ursprüngliche Lichtleiter-Idee einfach über Bord geworfen. Der Dialog könnte etwa so verlaufen sein:

    Entwickler: Schau mal, wie schön die Bedienscheiben leuchten

    Quality Control: Ja, schon, sind aber etwas dunkel

    Entwickler: Kein Problem, wir lackieren den Boden, dann kommt mehr Licht an

    Quality Control: Toll, aber jetzt ist die blaue Scheibe heller als die anderen

    Entwickler: Kein Problem, wir pinseln zum Dimmen ein Farbband ins Lampengehäuse

    Quality Control: Schön, aber die Montage dauert zu lange und viele Hebel brechen

    Entwickler: Kein Problem, wir schulen die Werker​

    Zwanzigtausend Pagoden später:

    Quality Control: Jetzt reicht’s; die Montage dauert immer noch zu lange, der Ausschuss mit abgebrochenen Hebeln ist astronomisch, die Werker haben blutige Finger und drohen zum Betriebsrat zu gehen, und jetzt beschweren sich die Kunden, dass vom Licht immer weniger zu sehen ist

    Entwickler: Kein Problem, wir verzichten auf die Lichtleiter​

    Zusammenfassung der konstruktiven Veränderungen, siehe auch Anlage:
    • Bedienscheibe ist jetzt zweiteilig
    • Hebel ist jetzt aus schwarzem, undurchsichtigem Material
    • Der Lichtleiter endet in einer Sackgasse
    • Hebel ist aufgenietet; die Verbindung erlaubt hohe Drehkräfte in der Z-Achse
    • Hebel sind in der Z-Achse elastisch, überstehen hohe Querkräfte beim Ein/Ausbau
    • Ohne den schwarzen Abdecklack kann Streulicht ins Innere dringen und beleuchtet so die Spalte zwischen Bedienscheiben und Chromabdeckung von innen
    • Boden jetzt aufgeschraubt
    • Die Farben wirken auf den Bildern anders
    Eigentlich schade, denn ein Rückschritt, aber wahrscheinlich war schon absehbar, dass das Bedienteil vom 107er elektrisch werden würde und jede Mühe, diese Konstruktion zu verbessern vergebliche Liebesmüh sein würde.

    Zu den Fragen von Alfred:
    • Das weisse Farbband ist nicht enthalten, siehe hier
    • Lux-Werte müssen deutlich geringer sein

    Cheers vom Tom


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    Zuletzt bearbeitet: 21. Mai 2023
    thomasj gefällt das.
  12. thomasj

    thomasj Mitglied

    20
    2. Mai 2010
    der Thread entwickelt sich ja äußerst Informativ.
    Die Frage wäre jetzt:
    Läßt sich die späte Bedienanlage nach folgender Methode von spät auf früh zurückrüsten:
    - die erhältliche Nachfertigung der 4 frühen Bedienscheiben besorgen
    - schwarzen Abdecklack auf die NF-Bedienscheiben aufbringen
    - ggf weißen Boden ins Lampengehäuse malen
    - ggf. weißen Abdecklack (für blaues Licht) ins Lampengehäuse malen
    fertig? Was fehlt dann noch?

    @tom: Dein Link zeigt eine Nachfertigung der Lampengehäuse, bei der Nachfertigung wurde bestimmt nicht so sorgfältig vorgegangen wie Du das gemacht hast, daher wäre an einem Originalteil noch zu klären ob bei späten Bedieneinheiten der weiße Boden/das Dimmfarbband enthalten ist - kann ich machen, ich habe ja eine späte Bedienanlage im 230SL, und wenn obige Umrüstung erfolgversprechend ist dann gehe ich den Weg und dokumentiere.

    Viele Grüße,
    Thomas
    230SL mit ZF und modernisierungswütigem Vorbesitzer der alles was 1993 noch in 280SL-Ausführung zu kaufen war verbaut hat.
     
  13. TomRamoser

    TomRamoser Aktives Mitglied

    336
    21. August 2020
    Servus Thomas,

    grundsätzlich kannst Du diese spätere Konstruktion natürlich zurückrüsten, allerdings nur mit den einteiligen Bedienscheiben mit ununterbrochenen Lichtleiter bis in die Riffelung, und dann so wie Du schreibst.

    Die Farben dieser Nachfertigungen wirken auf den Bildern allerdings etwas anders als im Original; sonst finden sich auch immer wieder originale Scheiben im Netz.

    Und, ja, Du hast völlig recht, zum weißen Boden und matt-weißen Farbband brauchen wir noch mehr Datenpunkte; interessiert mich auch sehr (mein Bedienteil ist aus dem November 1963)

    Cheers vom Tom
     
  14. thomasj

    thomasj Mitglied

    20
    2. Mai 2010
    Hallo Tom,
    ok, dann besorge ich die frühen und einteiligen NF-Bedienscheiben mal und mache mich ans Werk. Wenn mal originale Scheiben auftauchen kann ja später ja nochmal aktualisieren, sind ja nicht häufig zu sehen.
    Viele Grüße,
    Thomas
     
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  15. 230SLblue

    230SLblue Aktives Mitglied

    479
    9. August 2005
    Tom, ich glaube das hat nichts mit dem 107er zu tun sondern war eine Sicherheitsauflage vom USA-DOT. Alles was hart, kantig oder starr wurde ab 250SL-002980 durch weicheres Material ersetzt . Vieles in den USA-Export Fahrzeugen wurde natürlich nicht für europäische Fahrzeuge übernommen - z.B. die laschen Taschen in den Türen. Wurde die Ventilations Bedienungsanlage bei deutschen Autos nicht auch zur gleichen Zeit umgestellt??
    Die farbigen acrylic Scheiben waren auch in W108, W111, etc, eingebaut aber leider sind sie nicht identisch. Der sichtbare Hebel vorne hat anscheinend eine schwarze Kappe die man aufstecken kann, bin mir aber nicht sicher.
    Anbei Fotos von dem Teil:
     

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  16. TomRamoser

    TomRamoser Aktives Mitglied

    336
    21. August 2020
    O, ja, natürlich, lieber Alfred, wie konnte ich nur Ralf Nader vergessen, der das Armaturenbrett am liebsten gleich ganz ausgebaut hätte ... ?

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  17. TomRamoser

    TomRamoser Aktives Mitglied

    336
    21. August 2020
    Servus zusammen,

    Fritz (honeyfritz) hat in seiner Ersatzteilekiste eine späte Ausführung vom Bedienteil der ersten Generation (mit Lichtleiter bis in die Riffelung) gefunden, siehe unten, und sehr dankenswerterweise für weitere Untersuchungen zur Verfügung gestellt.

    Während in der ersten, oben beschriebenen Ausführungen von 1963 die Lichtausbeute am Ende der Lichtleiter mit einem sehr hohen manuellen, geradezu aberwitzig perfektionistischen Aufwand maximiert und gleichzeitig die Helligkeit der blauen Bedienscheibe auf das Maß der anderen Scheiben reduziert wurde, fehlen eben diese Maßnahmen in der späteren Ausführung, das heisst
    • der aussen weiß und dann schwarz überlackierte lackierte Boden von Lampengehäuse;
    • das matt-weiße Farbband vor der blauen Bedienscheibe im Lampengehäuse;
    • der großflächige schwarze Abdecklack auf den Bedienscheiben
    sind entfallen, siehe unten.

    Dieses Bedienteil war bereits vor vielen Jahren überholt worden, die Grundplatte sandgestrahlt und die beweglichen Teile dick mit einem Gleitmittel eingestrichen, einschliesslich am Lichtübergang vom Lampengehäuse zu den Bedienscheiben.

    Das war zwar gut gemeint, reduziert aber die Lichtausbeute in der Riffelung erheblich.

    Zudem kommt, dass die sandgestrahlte, silberne Oberfläche der Grundplatte das Streulicht im Inneren von Bedienteil erhöht und so den Kontrast zur Riffelung der Bedienscheiben weiter reduziert.

    Sicherheitshalber nochmals erwähnt, meine Empfehlung ist:
    • die Plexiglasoberflächen vom Lampengehäuse (innen und aussen) und der Bedienscheiben auf Hochglanz zu polieren und keinesfalls zu fetten;
    • Falls die Grundplatte wirklich sandgestrahlt werden muss, sollte sie nach dem Sandstrahlen mit Ultraschall von im Metall stecken gebliebenen Sandkörner befreit und anschliessen mit einem schwarz-matten Spraylack möglichst dünn lackiert werden, vernebeln reicht völlig;
    • Für die Lackierung der entsprechenden Flächen vom Lampengehäuse kann ich weiter diese Lacke empfehlen:
      • Der Lack für Weiß-glänzend auf dem Boden (Innen) ist Revel Email Color #04
      • Der Lack für Weiß-matt für der Farbband (Innen) ist Revel Email Color #05; zwei Schichten
      • Der Lack für Schwarz zum Abdecken ist Revel Email Color #06 (Teerschwarz)
    Im Ergebnis leuchtet das Bedienteil dann mit der originalen Glühbirne (2W) wie in den Bildern unten (die blaue Bedienscheibe leuchtet immer noch heller, werde das Farbband deshalb noch mit einer zweiten Schicht überlackierten)

    Cheers vom Tom

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  18. TomRamoser

    TomRamoser Aktives Mitglied

    336
    21. August 2020
    Servus zusammen,

    bei der Restaurierung eines frühes 230 SL Bedienteils für die Heizung sind unerwartete Schwierigkeiten aufgetreten, deshalb dieser Nachtrag.

    Der Reihe nach.

    Neben den üblichen Spuren vom nagenden Zahn der Zeit waren beide Lampengehäuse gebrochen, das Plexiglas deutlich gelblich verfärbt und die Bedienscheiben blind; die Beleuchtung war daher auch in stockdunkler Nacht kaum sichtbar.

    Oldtimer-Ersatzteile24 bietet glücklicherweise ordentliche Nachfertigungen der Lampengehäuse an, die allerdings nicht für die frühen Bedienscheiben passen, aber mit überschaubaren Aufwand nachbearbeitet werden können, siehe unten.

    Die Nachfertigung der Lampengehäuse kommen auch mit grösseren Glühbirnen, BA9 statt BA7, was eine gute Nachricht ist, weil Goethes letzte Worte wahr werden - mehr Licht - siehe weiter unten.

    Nachdem alles poliert und wieder zusammengebaut war, war die Ernüchterung groß: Es kam kaum mehr Licht durch die Bedienscheiben als zuvor.

    Am Ende der Fehlersuche stelle sich heraus, dass die eingebauten Bedienscheiben trotz bester polierter Oberfläche nach wie vor kaum Licht leiten; diese Bedienscheiben sind keine Originale mit dem "MK" Logo, stellte sich schliesslich heraus, sondern stammen von einem unbekannten und jetzt nicht mehr nachzuvollziehenden Hersteller.

    Nach dem Einbau von originalen Bedienscheiben leuchtet jetzt alles wie es soll.

    Cheers vom Tom

    PS: Zur Überprüfung der Transluzenz der Bedienscheiben habe ich mir übrigens ein kleines Werkzeug gebaut, dass ich Euch bei Bedarf sehr gern zur Verfügung stelle.





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    Zuletzt bearbeitet: 6. September 2023
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  19. TomRamoser

    TomRamoser Aktives Mitglied

    336
    21. August 2020
    Servus zusammen nochmal,

    in der Lampenfrage gibt es inzwischen auch Bewegung nachdem Alfred drei LEDs zum Testen zur Verfügung gestellt hat; dankeschön.

    Die Ruiandsion 3030 (3tes Chart) unterscheidet sich nicht wesentlich von der bereits diskutieren Ruiandsion AS (2tes Chart); beide leuchten mit mehr als 7000K sehr kalt und einem sehr hohen Blauanteil. Inzwischen gibt es auch einen weiten Typ 2835 mit Warm White, der mir aber noch nicht vorliegt.

    Die Aero-Lites 1816 (4tes Chart) strahlt dagegen fast wie die originale Glühbirne mit 3600K, nur heller, und ist damit als Ersatz bestens geeignet; sofern eine BA9 Fassung zur Verfügung steht.

    Aero-Lites 1816 gibt es in zwei Versionen, einmal für Gleichstrom 12V und einmal 12/14V AC/DC Wechselstrom.

    Es gibt also zumindest eine geeignete LED für das Bedienteil.

    Cheers,
    Tom


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    Zuletzt bearbeitet: 6. September 2023
    WRe, 230SLblue, Sead und 3 anderen gefällt das.
  20. 230SLblue

    230SLblue Aktives Mitglied

    479
    9. August 2005
    Vielen Dank Tom!
    Mich würde interessieren um wieviel heller die BA9s Aero-Lites (1237 Lux) sind verglichen zu BA9s incandescent 12V/2W Birnen.
    Die BA7s 12V/2W strahlen nur 164 Lux aus, d.h. die BA9s 12V/2W sollten noch etwas heller sein. Vielleicht hast Du die Daten schon?
     
    goldhamme_rulez und TomRamoser gefällt das.
Müller Classic Motors
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