Sie stehen wie Blei... Zeitenwechsel?

Dieses Thema im Forum "die Mercedes Benz „Pagode“" wurde erstellt von Ulli, 25. April 2021.

  1. Ulli

    Ulli Altbenzlenker

    3. April 2004
    Hallo, zusammen,

    ich beobachte nun schon seit geraumer Zeit den 111er- und Pagodenmarkt, hauptsächlich im Preissegment von 80 - 110.000 €. Seit Monaten ist dort die Bewegung gleich null. Immer unverändert dieselben Fahrzeuge. Viele wurden auch letztes Jahr schon angeboten. Und die sind beileibe nicht alle schlecht. Zwei rennomierte MB-Häuser hier im Münsterland haben vor kurzem ihre Classic-Abteilungen aufgelöst und wenn man den Informationen im vdh-Forum Glauben schenken kann, ist auch der MB-eigene Klassikervertrieb "Alltime-Stars" seit kurzem Geschichte. Mir erscheint das so, als habe mit Blick auf die automobile Zukunft ein großes Umdenken begonnen, welches seine ersten Auswirkungen auf den Markt zeigt, und zwar sowohl Verkäufer- als auch Käuferseitig. Was meint ihr?

    Gruß
    Ulli
     
  2. goldhamme_rulez

    goldhamme_rulez Aktives Mitglied

    20. Juli 2004
    So bald die Pandemie vorbei ist, werden die Leute mit Geld um sich schmeißen...

    Warum sollte man jetzt in dieser Zwischenzeit bis zur Durch Impfung unnötige Umstände auf sich nehmen...
     
  3. Ulli

    Ulli Altbenzlenker

    3. April 2004
    Was mich wundert, ist, dass sich offenbar auch MB-Betriebe aus dem Classic-Bereich zurückziehen. Zufall? Oder erwartet man in Zukunft nicht mehr ausreichend Ertrag? Sicherlich muss man auch unterscheiden zwischen dem mittleren und manchmal auch unteren Preissegment, wie es überwiegend von Geevers angeboten wird und den Preisklassen darüber. Es wird immer Leute geben, die für ein gutes Auto auch gutes Geld bezahlen. Aber es werden mit Blick auf die Gesamtheit offenbar weniger.

    Gruß
    Ulli
     
    statti-r90 gefällt das.
  4. Ulli

    Ulli Altbenzlenker

    3. April 2004
    Gerade jetzt giert es doch Jeden nach Abwechslung. Wer da interessiert ist, hat doch keinen Grund, wegen Corona zu warten. Ganz im Gegenteil. Das Frühjahr lockt und dieses Hobby ist eines der wenigen, mit dem man der Corona-Tristesse für den Moment entfliehen kann. Also an Corona liegt die Zurückhaltung bestimmt nicht, es sei denn, wirtschaftliche Gründe würden bremsen. Dann würde aus selbem Grund auf der anderen Seite aber vmtl. auch das Angebot steigen.
     
    Dirk H gefällt das.
  5. suederbravo

    suederbravo Aktives Mitglied

    362
    19. Februar 2012

    Hallo Uli,

    Ist Ostendorf (Hamm) einer von denen?

    Grüße Sebastian
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. April 2021
  6. Bernhard R.

    Bernhard R. Aktives Mitglied

    581
    3. August 2014
    Ich meine schon, daß ein Umdenken begonnen hat. Klima ist in aller Munde und der Umgang mit allem, was der neue "Mainstream" nicht als politisch oder moralisch korrekt ansieht, wird kontinuierlich aggressiver.
     
  7. Jan_Oliver

    Jan_Oliver Aktives Mitglied

    183
    20. Mai 2019
    So wie ich das verfolge, stehen auch andere Marken länger rum. Da im Hause Daimler von Vorstandsebene die Klassik-Abteilung nicht mehr relevant ist, die aktuelle Politik und die Hersteller alle auf E-Mobilität abfahren. In der nächsten Bundesregierung unter Umständen die Grüne den/die Bundeskanzler*in stellen - dann wird das H-Kennzeichen hinterfragt, die Einfahrt in die Innenstädte für Oldtimer vielleicht nicht mehr möglich sein, und die Fahrt zur Tankstelle treibt einem Tränen in die Augen.

    Ich für meinen Teil bin gerade weder auf der Käufer- noch Verkäuferseite. Evtl. ist dann vielleicht aber auch der Hype mit den Preisen vorbei, Pagoden stehen nicht mehr oben auf der Diebstahlsliste und man kann so wie heute einfach nochmals das schöne Wetter mit seinem schönen Auto genießen.

    Habt Spaß mit euren Autos so lange es noch geht - schönen Abend Andreas
     
    arothmer, Bernhard R. und Frauentraum gefällt das.
  8. Ulli

    Ulli Altbenzlenker

    3. April 2004
    Hallo, Sebastian,

    wenn die Info stimmt, dann ja. Hat mir gestern ein Bekannter erzählt. Sowohl MB-Beresa in Steinfurt als auch Senger, vormals Ostendorf, in Hamm sollen sich vom Classic-Bereich getrennt haben.

    Gruß
    Ulli
     
  9. lowin

    lowin Aktives Mitglied

    18. April 2004
    Zuletzt bearbeitet: 25. April 2021
  10. Axel G.

    Axel G. Aktives Mitglied

    576
    14. Juli 2004
    Das Fahrzeug hat keine Matching Numbers, deshalb der günstige Preis. :D
     
    Memmo gefällt das.
  11. Gotom

    Gotom Aktives Mitglied

    33
    16. Juli 2015
    Und Ami-Türverkleidungen :(
     
  12. Mark-RE

    Mark-RE Aktives Mitglied

    19. Juni 2018
    Ich denke mal, dass die den nie gehabt haben. Die sind auf den Oldtimerzug aufgesprungen weil sie Geld gewittert haben. Vielfach von Betriebswirten und Kaufleuten entschieden die von Oldtimern gar keine Ahnung haben.

    In nem MB Autohaus kenne ich die Mechanikerkalkulation so:
    - Stunde hat 12 AW
    - 14AW sind die Vorgabe
    - Ab 16AW gibts Prämie
    - gute Mechaniker schrauben 22, 24AW pro Stunde rein.

    Das gibt einen kalkulativen Stundensatz von rund 250€ netto.
    Dazu kommen die Einnahmen aus Teile/Materialverkauf, dass sind nochmal rund 250€ netto.

    Also muss ein Mechaniker pro Stunde 500€ netto reinholen.

    Was willst du denn jemanden der dich 500€ pro Stunde kostet so eine Zeitintensive Arbeit wie eine Fahrzeugrestauration machen lassen?
    Wenn du 800h in ne Pagode steckst, dann müsstest du bei 500€ die Stunde 400.000€ dran Schreiben, zzgl. 60k€ Material EK & Fremdleistungen zzgl. nochmal 40k€ Kaufpreis, dann kostet die Karre ja ne halbe Millionen. Ich denke über die 800h brauchen wir nicht zu sprechen und selbst wenn einer mit meinen 500€ internem Nettostundensatz nicht einverstanden ist, dann kann er daraus ja 250€ machen und nochmal rechnen...

    Dann sind in einem normalen Autohaus nicht unbedingt die Fachleute, die es schaffen, die Arbeiten in zum Preis erwarteter Quaität dar zu stellen und ganz ehrlich, wenn in bei mir bekannten Betrieben der Mechaniker der am liebsten seine Neuwageninspektionslisten abhakt, so ne alte verrostete dreckige Scheisse sieht, 3x mit dreckigen Fingernägeln nach Hause kommt und dann noch vom Meister angeschissen wird weil was nicht funktioniert, dann sieht doch jeder normale Angestelle zu dass er weg kommt...

    Aus unter anderen Gründen sind die meisten bei den Classic Werkstätten im Verkauf angebotenen Fahrzeuge nur aufgehübschte Gebraucht/Verbrauchtwagen, bisschen Chrom, bisschen Lack, bisschen nötigste Technik und die kauft dann einer zum Premiumpreis, warte mal auf das Thema Gewährleistung wenn der Neuwagenfahrer der mit Oldtimern auch nix zu tun hat, anfängt damit rum zu fahren...

    Bei Reparaturen und Wartungen sind viele Betriebe unbeweglich, da ist oft keiner der die einschlägigen Ersatzteilquellen kennt, such mal ne Vertretung mit EBay oder Paypalkonto und was bei privat zu kaufen ist auch kaum verbuchbar, dazu fehlt oft Fachpersonal und Erfahrungsgemäß stehen oft Rechnungen an den Arbeiten der sogenannten Fachbetriebe, da kostet ne Kupplung mehr als beim richtigen Experten n Austauschgetriebe mit Einbau und neue Kupplung dazwischen, nur bei letzteren funktioniert dass dann eher...

    Das was ich an aufgehübschten Gebrauchtwagen bei den Classicbuden gesehen habe, das kauft kaum einer ersthaft... Ich denke mal, seit dem Boom sind jetzt auch so die Wandlungs- und Gewährleistungsgerichtsprozesse durch und man wird fest gestellt haben, dass man damit kein Geld verdienen kann, sondern nur Ärger hat und welches bei legt.

    Das ist mal meine Einschätzung dazu warum man sich seitens div. MB Häusern / Abteilungen mitlerweile wieder aus dem Markt zurück gezogen hat.
    Wahrscheinlich auch, weil man gemerkt hat dass bei Pagoden, 190SLs, etc. der Markt voll mit nett angestrichenen, mit Unterbodenschutz zugeklebten teilrestaurierten Autos ist und dass keiner der Ahnung hat wirklich zu den Preisen kauft.

    Zumindest die Pagoden in einschlägigen Fachzeitschriften habe ich schon seit Jahren im Auge und es sind seit Jahren die gleichen und manche habe ich mir angeschaut, aber für ne Spachtelbude mit überklebten Rostlöchern und schöner Lackierung und bisschen EBay Chrom zahlt keiner 140 oder 180.000€.
     
    1964 sl, citynails, 280er und 4 anderen gefällt das.
  13. lowin

    lowin Aktives Mitglied

    18. April 2004
    Drastisch. Klingt aber recht realistisch.
     
  14. Mark-RE

    Mark-RE Aktives Mitglied

    19. Juni 2018
    Ist ja nur meine Meinung und laienhafte, unwissenschaftliche Beobachtung zu dem Thema.
    Ich sehe ja auch die Ergebnisse der Glaspaläste um mich herum, ich hab mir angeschaut was für Autos die da zu welchen Preisen als "Old- & Youngtimer" anschauen, bis hin zu den manchmal komplett peinlichen Verkaufseinlagen der Neuwagenverkäuferschaft, ...
    Auch kenne ich die Anrufe und Hilferufe meiner Meisterkollegen aus der ein oder anderen DB Werkstatt, die sich noch hochoffiziell mit "Mercedes Benz Classic Partnerwerkstatt" schmücken...

    Wenn ich mir da anschaue, was teilweise an Kohlen verbrannt wird, dass zahlt doch kein Kunde.

    Schon die Strukturierung ist überhaupt nicht dazu geeignet, Oldtimer zu reparieren...
     
  15. MartinK

    MartinK schraubt hemdsärmelig

    19. Mai 2012
    Ich sehe auch, dass man sich an alten Autos gewaltig die Finger verbrennen kann. Als Werkstatt und als Kunde. Irgend was am Motor nicht richtig zusammen gebaut oder ein Teil war hatl am Ende und es wurde nicht getauscht, warum auch immer ... zack, Schaden. Wenn man da als Werkstatt ein paar solcher Leichen stehen hat, wo man sich an Nachbesserungen verschluckt und Geld mitgebracht hat... am Ende ist das dann nicht einträglich. Diejenigen, die wie Goldgräber vor 10 Jahren gedacht haben, da ist was zu holen und haben mächtig aufgerüstet, rüsten so halt eben wieder zurück. Gezwungen oder freiwillig. Ich möchte nicht wissen, wie viele Werkstätten im Moment damit am Kauen sind, damit es läuft...

    Es ist halt auch beim W113 so: Vom dritten Bearbeiten eines 50 Jahre alten Teils wird das auch nicht besser. Die Rohteile gibt es nicht mehr an jeder Ecke. Ich habe es ja selbst erlebt, dass ich drei Motoren kaufen musste, um am Ende einen brauchbaren Satz Teile für einen Neuaufbau zu gewinnen. Beim einen Motor ist der Kopf dünn, beim nächsten die Kurbelwelle platt, der nächste Block ist schon auf letzter Rep-Stufe. Einspritzpumpe sowieso Totalschaden. Da muss man als Werkstatt schon extrem gut aufgestellt sein, um das zu bringen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. April 2021
    1964 sl, hallolo, Axel G. und 2 anderen gefällt das.
  16. goldhamme_rulez

    goldhamme_rulez Aktives Mitglied

    20. Juli 2004
    Dem Verhalten meiner lokalen BMW NL, der mein 20 Jahre alter E38 zu runtergekommen war und sie sehr lustlos bis widerwillig das ACC eingestellt haben, nach zu urteilen - schwimmen die alle noch im Geld.

    Ich hatte auch gedacht, ich erlöse sie mal aus der Covid 19 Langeweile mit einer nice to have Aufgabe, die ich seit 3 Jahren vor mir her schiebe...

    Mal andersrum gedacht - vielleicht ist auch niemand mehr da, der noch eine Zündspule von einem Zündverteiler unterscheiden kann und schon mal gehört hat, wie ein Vergaser prinzipiell funktioniert...

    Bei uns gehört ja der OBD 2 Stecker nicht zur Grundausstattung...
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. April 2021
  17. Mark-RE

    Mark-RE Aktives Mitglied

    19. Juni 2018
    Ja, dass ist so, es ist und bleibt alter Schrott. Das funktioniert nur in einem individuellen und freundschaftlichem Dialog mit dem Kunden, nicht wenn der Annahmemeister Mängel aufschreibt, die der Werkstattmeister beheben lassen muss und der Kundendienstberater abrechnet...
     
  18. meise

    meise Aktives Mitglied

    459
    16. Februar 2009
    Das, was Ulli am Anfang des Threads gesagt hat, habe ich auch so gesehen. Ob es nun die Verkäufer, Restaurationsbetriebe oder die Käufer sind...ich glaube nicht, dass es an der Pandemie liegt. Diese Zeichen waren vorher schon klar zu sehen (911 noch stärker) und m.E. liegt es an dem Wandel im Fahrzeugbereich. Diese Meinung habe ich schon länger. Ich denke, wir können ganz sicher davon ausgehen, dass der Weg zur Elektromobilität kein simpler Trend ist, sondern ein unumkehrbarer Wandel....und der wird immer stärker an Schwung gewinnen (wie seinerzeit bei Taschenrechnern und Computern ....anfangs für privat zu teuer und eingeschränkt, dann immer billiger und sinnvoller nutzbar).
    Mit diesem Wandel wird sich auch die Haltung der Politik zum Verbrenner immer mehr wandeln...ist ja jetzt schon deutlich zu erkennen...und das wird ganz sicher auch Auswirkungen auf Oldtimer haben. Und wenn Oldtimer nicht mehr schöne alte Autos, Kulturgut, sind mit "Daumen hoch" am Straßenrand, sondern dreckige, stinkende Verbrenner, dann wird auch Volkes Meinung umschwenken (kann schnell gehen, wie wir wissen) und es macht vielleicht nicht mehr so viel Spaß mit dem Oldtimer.
    Es muss jetzt halt jeder selber entscheiden, ob er sicherheitshalber schnell noch verkauft, solange die Preise gut sind, oder Wandel einfach Wandel sein lässt und weiter fährt, solange das geht. Bei mir ist Letzteres der Fall, u.a. auch wenn ich mal so auf meinen eigenen Tacho schaue ;). Wenn ich die Pagode verkaufte, hätte ich sie nicht mehr und das fände ich jetzt garnicht gut. Eine zunächst zu erwartende Marktbereinigung hinsichtlich übertriebener Preis etc, ist ja nicht von Nachteil....solange die Ersatzteilieferanten nicht betroffen sind.

    Schöne Grüße,
    Bernd
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. April 2021
    arothmer, GB, Ulli und einer weiteren Person gefällt das.
  19. Mark-RE

    Mark-RE Aktives Mitglied

    19. Juni 2018
    Jeder Betrieb selbst versteht wahrscheinlich erst einmal grundsätzlich nichts. Wenn, dann sind dass die Mitarbeiter und die muss man erst einmal haben...

    Naja, Martin, es betrifft ja mehr die großen Classic Abteilungen . . .
    Irgendwann geht aber jeder Trend zurück und dann bekommen dass auch alle anderen zu spüren...

    Für viele sind grade Pagoden 190SLs, etc. Spekulationsobjekte / Kapitalanlagen. Das hat mit Oldtimerei nicht viel zu tun.
    Für die richtigen Oldtimerfahrer ist dass ein zweischneidiges Schwert.
    Zum einen treibt dass die Preis hoch, zum anderen verbesserte dass die Ersatzteilnachfertigungen doch erheblich...
     
  20. Bernhard R.

    Bernhard R. Aktives Mitglied

    581
    3. August 2014
    Der neue Trend sind Classic-Fahrräder!
    Investoren werden dorthin wechseln, passt auch besser zum Tiny-House.
    Hab noch ein Didi Thurau im Keller, das muss dann den Wertverlust der Pagode ausgleichen.
    :bierkrug:
     
Müller Classic Motors
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.