Warum haben die mich nicht gefragt ? Uhlenhaut 300SLR verkauft ?

Dieses Thema im Forum "der Stammtisch" wurde erstellt von goldhamme_rulez, 19. Mai 2022.

  1. MartinK

    MartinK schraubt hemdsärmelig

    19. Mai 2012
    Moin,

    Daimler war seit jeher ein führender Technologieträger. 1955 und heute. Wer bei einem 2021er Konzernergebnis von 14,2 Milliarden (!) glaubt, der Verkauf des SLR, für im Vergleich dazu lächerliche 135 Mio, wäre wirtschaftlich sinnvoll oder nötig gewesen, der glaubt auch an den Weihachtsmann. Mercedes will Technologieträger bleiben und dazu braucht es Innovation. Wie schon immer. Alle Zeichen weltweit stehen auf Dekarbonisierung, und im Prinzip hat die Schonung der fossilen Ressourcen ja nicht nur Nachteile. Der Verkauf einer Ikone zugunsten eines Stipendienprogramms ist ein markantes Zeichen, eigene Opfer für die Zukunft bringen zu können und zu müssen. Am Ende hat Daimler ja noch einen SLR, also ist es kein Ausverkauf. Und ganz zum Schluss ist es auch sowas wie der gestreckte Mittelfinger nach Maranello, weil der SLR vermutlich für sehr lange Zeit das teuerste je verkaufte Auto ist und nun aus Stuttgart kommt. Ihr tut gerade so, als ob Mercedes mit der Versteigerung des SLR seine Seele verkauft hat. Der SLR bleibt eine Ikone, egal wer ihn besitzt. Das Museum ist für Mercedes nach wie vor ein immens wichtiger Markenbotschafter. Es ist voll gestopft mit Innovationen und Meisterstücken der vergangenen 125 Jahre und seid sicher - der Vorstand weiß das.

    Schönes Wochenende.
     
  2. Uli aus S

    Uli aus S Aktives Mitglied

    28. April 2004
    Bis vor zehn Jahren habe ich als Dienstleister für das Marketing gearbeitet und kann über die Veränderungen nur den Kopf schütteln. Mit diesem (offensichtlich veralteten) Kenntnisstand lassen sich die Veränderungen nicht in Einklang bringen.

    Mercedes hatte immer die Kontrolle über ALLE Prototypen behalten wollen und selbst Blankoschecks für den C111 abgelehnt. Man geht/ging – mit Hinweis auf den Geschmacksmuster-/Urheberrechtsschutz – selbst gegen Nachbauten und Replicas vor. Erinnert Ihr Euch noch an den Plastik-Flügeltürernachbau, der öffentlichkeitswirksam beschlagnahmt und verschrottet wurde?

    Der Hinweis, dass es ja einen zweiten SLR in der Sammlung gibt, ist auch nur bedingt zielführend. Das Fahrzeug steht exponiert in der Sammlung und wenn dieser für einen Einsatz ausgefasst werden sollte, wäre die Enttäuschung der – oft weit angereisten Besucher – groß. Zudem lag der interne Verrechnungssatz für das aufwändige Herausholen eines Autos aus dem Museum bereits vor 10 Jahren bei 25 T€. Bei der Planung des Museums durchaus beabsichtigt, um die internen Begehrlichkeiten auf ein Minimum zu begrenzen. Allein die Frage nach der Kostenstelle hat einige Vorhaben bereits im Keim erstickt.

    Nun ist man also auf einen Dritten angewiesen und ob man diesen bzw. den Einsatz des Wagens zum Markenwohl steuern kann, ist in meinen Augen mehr als fraglich und wenn, dann mit erheblichem (auch personellen Aufwand) verbunden.

    Selbst wenn im Kaufvertrag die Weiterveräußerung ausgeschlossen sein sollte, würde auf die Durchsetzung der Klausel keinen Euro verwetten wollen. Je nachdem, in welchem Land der Käufer wohnt, kann es sein, dass nationale Gesetze dies aushebeln oder aber, dass sich im jeweiligen Land ganz einfach niemand darum schert. Oder glaubt jemand, dass es z.B. ein russisches Gericht verbieten wurde, wenn ein Oligarch den SLR an einen anderen oder nach China verkauft? Zudem ginge ja – analog zu gestohlenen Kunstwerken, die ja ebenfalls nicht 'frei verkäuflich' sind - auch noch einiges unter der Hand.

    Außenstehende für die Kommunikation einzusetzen war bis vor etwa 20 Jahren undenkbar und es gab zwei Fraktionen. Die einen, die mit der Zeit gehen und den emotionalen Booster von Celebrities mitnehmen wollten und die anderen, die auf die Risiken von Skandalen hingewiesen haben.

    Angefangen hatte es mit TV-Spots mit Mika Häkkinen. Da wurde damit argumentiert, dass er ja quasi Angestellter und deshalb auch kein Externer sei. Beim ersten Spot hat er eine liegengebliebene Autofahrerin in einem W 202 mitgenommen.
    "Dies ist ein Diesel".
    "Ja klar. Und Sie sind wohl Formel 1-Rennfahrer".

    Aufgrund der Bedenkenträger wurden die Spots sehr genau getrackt. Heraus kam, dass Sympathiewert und Bekanntheitsgrad von Häkkinen enorm gesteigert wurde, für das Auto aber relativ wenig dabei rauskam. Was den damaligen Werbeleiter Jochen Pläcking zu der grimmigen Aussage verleitete, das man Häkkinen nicht bezahlen solle, sondern im Gegenteil ihn eigentlich zahlen lassen müsse.

    Die Testimonial-Befürworter setzten sich durch und Spots mit Beckenbauer und Becker wurden produziert. Und genau bei diesen beiden bewahrheiteten sich die Befürchtungen der Kritiker.

    Da die absolute Kontrolle über Kommunikation und Markenbild immer die oberste Prämisse war, ist mir der Verkauf unverständlich. Die paar Euro für die Stiftung hätten sich an vielen Stellen finden lassen und sind in meinen Augen nur vorgeschoben. Zumal auch damals schon gern ein Charity-Element eingeschoben wurde (Stichwort: Laureus).

    Es laufen aber gerade auch andere merkwürdige Dinge.

    Schrempp hatte die Fusion mit Chrysler damit begründet, allein nicht groß genug zu sein, um sich gegen Angriffe von Hedgefonds oder feindliche Übernahmen zu schützen. Ein durchaus nachvollziehbares Argument; nur war Chrysler eben der falsche Partner.

    Jetzt hat man den Konzern in PKW und LKW aufgespaltet und wäre damit ein noch viel einfacheres Opfer, zumal sich in den letzten 20 Jahren die Kriegskassen der Heuschrecken wegen der niedrigen Zinsen um ein vielfaches aufgefüllt haben.

    Nach meinem dafürhalten war das Risiko der feindlichen Übernahme und des anschließenden Ausschlachtens (die Sach- und Immobilienwerte sind immens) noch nie so groß wie heute.

    Was ist der Plan?
     
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  3. Sinan

    Sinan Aktives Mitglied

    23. November 2004
    Danke MartinK, Licht des Abendlandes......

    Jetzt habe ich es verstanden, nicht wie ich zuerst geglaubt habe, armselige korrupte Kleingeister,
    welche ihre Stellung stets zur Aufbesserung der eigenen Finanzen nutzen, nein reiner Altruismus
    hat die handelten Personen geleitet. Quasi; Ein Zeichen für die Zukunft
    Leider ist das Z im Moment zwar von irgendwelchen Zombies belegt, aber wenn der Wagen nach England geht,
    dem Mutterland des Automobilbaus, kann man ein F aufmalen.

    Mir ist die Schlurre im Prinzip egal, es geht um die Geisteshaltung.
    Es der mangelnde Respekt vor Tatsachen und Ungeschriebenem.
    Wie gesagt, der Wagen ist mehr als 150 Mio. wert und transparent war der Verkauf nicht.

    Hier bei uns in der Nachbarschaft hat ein netter Türke 2021 im Alleingang 10 Mrd. Gewinn gemacht.
    Der streckt seinen Mittelfinger nach nirgendwo, er nicht mal den Mittelfinger von Winnie Pooh im Jahr 2021 kommentiert.

    Den einzigen Mittelfinger sehe bei Lewis, der mal entspannt in die Rente fährt.
    Vielleicht hat der ja den SLR gekauft, sind ja nur 3 Jahre sparen....

    Der Kreis schliesst sich, wenn Daimler ein "Opfer" hätte bringen wollen, dann raus aus Formel 1.
    Es muss ja nicht immer ein Massaker sein, technisches Versagen reicht als Vorwand allemal.
    Das dann noch gut verkauft und alles passt.

    Gruß
     
  4. majus

    majus mag 60er Jahre Mercedes

    977
    22. Mai 2005
    Moin,

    Marketing hat sich doch aber gerade in den letzten 10 Jahren substantiell verändert. Heute kaufen Leute im Metaverse virtuelle Gucci Handtaschen für 4-stellig…

    Marken werden ja durch Qualität, Innovation, Service, Ikonen, Mythen usw. gebildet, aber eben auch dadurch, dass und wie über sie geredet wird.

    Die Sichtweise von „nostalgischen Süddeutschen“ ist im Kontext der Digitalisierung, Globalisierung und Dekarbonisierung sicherlich weniger relevant als noch vor 10 oder 20 Jahren.

    Die Höhe des Erlöses dürfte aus ökonomischer Sicht weniger relevant sein als aus Vermarktungssicht. Mit dem teuersten Auto ever schafft man es ebenso ins WSJ wie in die verschiedensten social Kanäle.

    Und Ikonen bleiben Ikonen - egal, wo sie stehen. Und wer, wenn nicht Mercedes, hat sie zu Dutzenden im Museum, in den heiligen Hallen und nicht zuletzt auf der Strasse?
     
  5. MartinK

    MartinK schraubt hemdsärmelig

    19. Mai 2012
    Aber gerne doch. Falls Du nochmal irgend eine Frage hast, immer heraus damit.
     
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  6. Uli aus S

    Uli aus S Aktives Mitglied

    28. April 2004
    @majus
    Das teuerste Auto der Welt als Kommunikationsziel?
    Das wäre in meinen Augen Schulbuben-Marketing und daran will und kann ich nicht glauben.
    "Meiner ist größer!"
    "Ich hab aber schon Haare am Sack!!"

    Grüße vom ewig gestrigen Fossil aus dem letzten Jahrtausend
     
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  7. miekaesch

    miekaesch Aktives Mitglied

    441
    18. Mai 2004
    Versucht ist das richtige Wort!
    Für mich persönlich kommt kein neuer MB mehr in Frage aber das ist ein anders Thema.
     
  8. Axel G.

    Axel G. Aktives Mitglied

    572
    14. Juli 2004
    Mal ganz nüchtern betrachtet, beträgt der Gegenwert des Coupes etwa 1.000 Pagoden in einem sehr guten Zustand...
     
  9. goldhamme_rulez

    goldhamme_rulez Aktives Mitglied

    20. Juli 2004
    ... wenn wir als PT also zusammengelegt hätten ... :doh:
     
  10. 230SLblue

    230SLblue Aktives Mitglied

    457
    9. August 2005
    Oliver,
    ich weiss nicht ob dieses Detail deinen Schmerz lindern wird oder noch erhöht. Es sieht so aus also ob das Gefährt ohne zwei wichtige Uhlenhaut spezifische "Sonderausstattungen" verkauft wurde: Auspuff und Windabweiser! :oops:
    Vielleicht kannst du dafür ein Angebot einreichen? :)
    Genaueres kannst du hier nachlesen oder anschauen:
    https://www.carthrottle.com/post/3ll4oor/
     

    Anhänge:

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  11. big-bolli

    big-bolli bolli

    663
    4. Oktober 2006
    Olli - die rote ist verkauft.
     
  12. goldhamme_rulez

    goldhamme_rulez Aktives Mitglied

    20. Juli 2004

    Alfred! Herzlichen Dank, dass ist endlich mal ein guter Artikel, wo nicht nur aus irgendwelchen Pressemitteilungen abgeschrieben wird!

    Ich werde auf jeden Fall versuchen, den Schalldämpfer käuflich zu erwerben. Der muss ja nicht im Museum irgendwo in der Ecke liegen und dürfte ja nur so 200 - 400 TEUR kosten ;) ... für den finde ich auch noch etwas freie Wand in der Werkstatt ... mit dem ganzen Wagen wäre es auch etwas eng geworden ...

    Schönen Sonntag noch -

    Oliver
     
  13. goldhamme_rulez

    goldhamme_rulez Aktives Mitglied

    20. Juli 2004
    Danke - also muss ich wohl irgendwo im UK als Pflegekraft anfangen ... vielleicht sieht man das Auto dann mal auf TopGear oder GrandTour ...
     
  14. schlüssellos

    schlüssellos Aktives Mitglied

    4. Februar 2009
    Meine Güte, was war das denn für eine Schule?????
     
  15. ursodent

    ursodent ursus antennae

    9. Mai 2004
    Nun, in den 70ern waren wir alle weniger verklemmt.
    Wir hatten ja keine Beweis-Selfies - wir mussten uns noch verbal verständigen - in plastischer Deutlichkeit.
    Für vieles gäbe es heute alarmistischen therapeutischen Hyperaktivismus. Oder den Jugendrichter...

    Michael
     
  16. lowin

    lowin Aktives Mitglied

    18. April 2004
  17. Sinan

    Sinan Aktives Mitglied

    23. November 2004
    Zuletzt bearbeitet: 23. Mai 2022
  18. clalin

    clalin Aktives Mitglied

    33
    15. April 2005
     
  19. Sinan

    Sinan Aktives Mitglied

    23. November 2004
    Haha, die haben wohl auch Putin, zu Ostern bei der Messe gefilmt
     
  20. goldhamme_rulez

    goldhamme_rulez Aktives Mitglied

    20. Juli 2004
    Hier das einzige gute Video, das ich gefunden habe, das die Alltagstauglichkeit zeigt ... hatte ich irgendwann schon einmal gepostet ... jetzt hat Uwe leider etwas weniger zu tun ...

     
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