Zündschloss 230 SL Teil 1, 2 und 3

Dieses Thema im Forum "Technik - Motor, Getriebe und Fahrwerk" wurde erstellt von d.Hahn, 8. Juli 2009.

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  1. d.Hahn

    d.Hahn Aktives Mitglied Mitarbeiter Administrator

    20. November 2003
    warum nachfertigen?

    Eine einfache Antwort.
    Während der Bauzeit des 230sl und 250sl wurden niemals Teile des Zündschlosses als Ersatzteile verkauft.
    Es wurde immer das gesamte Zündschloss ausgetauscht, was zur Folge hat das auch heute keine Original
    Ersatzteile für das Zündschloss des 230sl und 250sl zur Verfügung stehen.

    Also was bleibt uns anderes übrig as dringend benötigte Ersatzteile nachfertigen zu lassen.
    Dazu ist es als erstes nötig sich Gedanken zu den eigentlichen Verschleißteilen zu machen
    und wie wir diese dann austauschen können.

    Schauen wir uns hierzu das Zündschloss einmal näher an.

    DSCF0073.jpg kormányzár.jpg



    Frage: Was kann ich hier auseinander nehmen?
    Antwort! Ohne passendes Werkzeug nichts, außer dem Zündanlassschalter.


    1. Gruppe (Elektrikteil, Zuendanlassschalter)

    Der Elektrikteil läßt sich ohne größere Probleme abschrauben, zerlegen und reinigen.
    Hier kommt es schon mal vor das die innen liegenden Kontakte keinen Kontakt mehr bekommen.
    Fragt mich nicht wie, aber ich hatte bei meiner Pagode in diesem Teil ein Spannungsverlust von knapp einem Volt
    innerhalb des Elektroteiles der sich dann mit zu wenig Spannung hinter dem Startkondensator bemerkbar machte.
    Ein Reinigen der Kontaktflächen brachte kurzzeitig Abhilfe. Letztendlich war aber der Ersatz durch ein neues Teil
    (noch bei MB lieferbar) der bessere Weg.

    DSCF0082.jpg DSCF0090.jpg




    2. Gruppe (Chromkappe)

    Um das Schloss weiter zu zerlegen muss jetzt schon die Chromkappe abgenommen werden. Leider ist diese verstiftet
    und lässt sich nur durch aufbohren der beiden Stifte abnehmen. Diese Stifte sichern außer der Chromkappe auch zusätzlich
    noch den Schließzylinder im Schloss. Man muss tief genug bohren aber nicht zu tief sonst ist der Schließzylinder kaputt.
    Beim bohren ist etwas Gefühl erforderlich da der auszubohrende Stift viel härter ist als die umschließende Chromkappe.
    Ansonsten ergibt sich ein unschönes großes Loch in der Chromkappe.

    DSCF0081.jpg

    Übrigens gibt es die Chromkappe nicht als Ersatzteil zu kaufen.



    ----Fortsetzung folgt-----

    viele Grüße
    Detlef H.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juli 2009
  2. d.Hahn

    d.Hahn Aktives Mitglied Mitarbeiter Administrator

    20. November 2003
    Zündschloss 230sl Teil2

    3. Gruppe (Schließzylinder)

    Nachdem man die Chromkappe ab hat kann man den Schließzylinder heraushebeln.

    DSCF0084.jpg DSCF0087.jpg DSCF0086.jpg

    Hier liegt es nun vor uns, das Teil was uns so Sorgen bereitet. Dieses zu zerlegen sollte wirklich nur noch der versierte Bastler,
    oder besser noch, der Fachmann machen. Wenn erst mal die Federn und Schließbolzen durch die Werkstatt gesprungen sind ist kaum noch ein Zusammenbau möglich.
    Wenn ihr euch nicht sicher seid schickt es zum Beispiel zum KeyProf Luke, der wird euch schon sagen ob da noch was zum retten ist.
    Aber, und das ist der eigentliche Knackpunkt, gehen wir mal davon aus es ist nicht mehr zu retten, was dann?

    schloss-3 weiss.jpg schloss-5 weiss.jpg

    MB hat diesen Schließzylinder nicht im Angebot und wird ihn auch nicht nachbauen.
    Was tuen wir aber in 1, 2, 3 oder 5 Jahren wenn ein Schließzylinder nach dem anderen ausfällt?
    Natürlich nachfertigen lassen! Einer wird es schon machen oder?
    Habe ich auch gedacht, also mal eben die 3 Hersteller von Schließzylinder angeschrieben und nachgefragt.
    Außer, kein Interesse oder ja ab 10000 Stück. Wird uns da niemand helfen.
    Auch bei kleineren Firmen werden wir keine Hilfe bekommen.
    Die Antworten: zu kleine Stückzahl, Fertigung zu aufwendig, nicht bezahlbar.

    Nachdem mich das Thema zwei Jahre lang beschäftigt hat, fiel mir ein guter Freund in Ungarn ein.
    Daniel Ecker, er beschäftigt sich schon ein paar Jahre mit der Restauration von MB Fahrzeugen
    auf höchsten Niveau und ich weiß das er sich bestimmt nicht mit einem nicht überholtem Zündschloss
    in einem seiner Top restaurierten 230sl´s zufrieden gibt.
    Nach der ersten Mail hatte ich die Bestätigung,
    Daniel Ecker macht keine halben Sachen und so hat er bei der Restauration des 230sl
    tatsächlich das Zündschloss in Einzelanfertigung neu fertigen lassen.
    Die Antwort auf die Frage nach dem Preis könnt ihr euch sicherlich vorstellen.
    Teurer als neu, eigentlich unbezahlbar.

    Um euch einen kleinen Eindruck über den Aufwand der Fertigung alleine des Zylinders zu geben,
    hat Daniel mir freundlicherweise ein paar Bilder zur Verfügung gestellt.

    Natürlich muß als erstes ein möglichst guter Schließzylinder komplett vermessen werden um davon eine Fertigungszeichnung zu erstellen.
    Nach der Zeichnungserstellung wird zunächst das Drehteil erstellt. Danach wird eine Pilotbohrung hergestellt.

    zeichnung.jpg tiefl.jpg IMG_8448.jpg

    Jetzt beginnt der Teil den nur wenige Firmen für Kleinserien bereit sind zu machen.
    Es wird mittels Tieflocherodieren die eigentlichen Bartform in den Schließzylinder eingebracht.
    Leider geschieht dies unter Flüssigkeit so das man auf den Fotos nicht viel zu sehen bekommt.

    IMG_8439.jpg 24_4.jpg

    Anschließend werden noch die Bohrungen für die Schließbolzen eingebracht,
    auch dieses geht nur in der erforderlichen Genauigkeit wenn man sich vorher Bohrschablonen anfertigt.
    Der letzte Schritt das verchromen rundet die Herstellung des Schließzylinders noch ab.

    IMG_8481.jpg IMG_8489.jpg 24_5.jpg

    Damit haben wir unser erstes Verschleißteil schon identifiziert und nachgefertigt.

    Bleiben im Bereich Schließzylinder noch die Schließbolzen und Federn.
    Die Schließbolzen unterliegen einen Verschleiß durch den Schlüssel d.h. sie werden immer kürzer,
    die darüber liegenden Federn lassen an Federkraft nach und erlahmen.
    Leider sind weder die Bolzen noch die Federn Serienteile irgendeines Herstellers,
    somit müssen wir auch diese Teile selber fertigen lassen.
    Für die Schließbolzen gibt es leider das Material nur im passendem Durchmesser zu kaufen,
    die Länge ist auf die jeweilige Schließungsnummer angepasst und muss dadurch in Einzelfertigung hergestellt werden.
    Die Feder ist zum Glück bei allen Schlössern gleich sodass man von diesen nach dem man die Feder vermessen und berechnet hat,
    gleich mal 1000 Stück (Mindestbestellmenge) kaufen kann.
    So damit wären die nächsten Verschleißteile identifiziert.
    Bleibt noch ein Teil, der Schließzylinderkäfig. Dieser hat zwei Schleißstellen zum einen:

    schloss-2.jpg


    Die Bohrung in der der Schließzylinder dreht und zum anderen die Bohrungen wo der Schließbolzen drin geführt wird,
    die Bohrungen verschleißen aber nur an der Stelle wo der Schließbolzen Kontakt mit dem Schließzylinder bekommt.
    Hier einen kompletten neuen Schließzylinderkäfig zu fertigen wäre Wahnsinn,
    hier sollte man die Kirche im Dorf lassen und den Käfig nur (was schon aufwendig genug ist) ausbuchsen.
    Verschleißteil Nr.4 ist identifiziert.
    Wenn wir nun noch den Schlüssel als Verschleißteil hinzu nehmen haben wir es in der Gruppe Schließzylinder mit 5 Verschleißteilen zu tuen.

    Fortsetzung folgt.

    viele Grüße
    Detlef H.
     
  3. d.Hahn

    d.Hahn Aktives Mitglied Mitarbeiter Administrator

    20. November 2003
    Zündschloss 230sl Teil3

    4. Gruppe (Schließmechanismus, drehbar)

    Hinter dem Schließzylinder befindet sich der eigentliche Schließmechanismus.

    DSCF1245.JPG DSCF1247.JPG

    Diesen kann man durch eindrücken des Riegels und leichter Drehung heraus bekommen.
    Dieses, nennen wir es mal Schiebergehäuse, unterliegt leider auch einem geringen Verschleiß auf seinem Durchmesser
    was sich unter Umständen durch ein ganz leichtes Harken beim Startvorgang bemerkbar macht.
    Da es keine weiteren Auswirkungen auf die Funktion und das starten hat wird an dieser Stelle nicht eingegriffen (sprich etwas neues gefertigt)

    DSCF1248.JPG DSCF1252.JPG DSCF1288.JPG

    Ab jetzt ist aber, ohne etwas am Schloss zu zerstören, Ende.

    5. Gruppe (Schließmechanismus, Schieber)

    Zum Glück ist der Schließbolzen und Schließschieber so verschleißarm das es in der Regel kein weiteres zerlegen
    des Zündschlosses mehr bedarf. Sollte es in diesem Bereich noch zu Schwerlauf kommen führt allerdings kein Weg daran
    vorbei das Schloss noch weiter zu zerlegen. Hierzu muß die stirnseitige Kappe auf der Drehbank abgedreht werden.

    DSCF1254.JPG DSCF1257.JPG DSCF1263.JPG

    Jetzt ist der Weg frei um den Schließschieber und den Schließbolzen nebst seiner Federn heraus zu nehmen.

    Bisher habe ich in diesem Bereich noch keinen Verschleiß gefunden aber es kam schon mal durch verharztes Fett zur Schwergängigkeit.

    Ich hoffe euch mit diesem Bericht ein klein wenig für das Thema Zündschloss 230sl sensibilisiert zu haben.
    Klar und deutlich. Wir alle 230sl, 250sl Fahrer werden in den nächsten Jahren massive Probleme mit unseren Zündschlössern bekommen.
    Lösungen können die von AI-Motors gefundene Möglichkeit und auch die Lösung von Fritz Wallner sein.

    Wenn sich 30 Forumsteilnehmer finden würden die ihr Zündschloss mit einem neuen Schließzylinder überarbeiten zu lassen
    wäre mein Freund Daniel Ecker bereit diese Schließzylinder fertigen zu lassen.
    Ich würde dies im Rahmen einer Pagodentreffaktion organisieren. Der Preis wird 450Euro nicht übersteigen.


    Zum Schluss noch einmal meinen besonderen Dank an Daniel Ecker der mir mit seinem Einsatz und seiner professionellen Hilfe immer wieder mit Rat und Tat zur Seite steht.
    Übrigens seine Internetseite ist sehr empfehlenswert,
    schaut mal rein:

    Oldtimerpro - Car restauration

    viele Grüße
    Detlef H.

     
  4. d.Hahn

    d.Hahn Aktives Mitglied Mitarbeiter Administrator

    20. November 2003
Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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