1. Hey Gast, der Pagodenkalender 2020 steht in den Startlöchern!

    Wie du teilnehmen kannst erfährst du unter www.pagodenkalender.de.
    Viel Erfolg!

Zulassung einer Pagode in Spanien

Dieses Thema im Forum "Erfahrungsaustausch" wurde erstellt von Hallgeber, 10. September 2019.

  1. Hallgeber

    Hallgeber Aktives Mitglied

    97
    24. September 2014
    Hallo allerseits,

    ein Bekannter von mir verbringt nun die angenehmen Monate des Jahres in Spanien und würde seine Pagode gerne mitnehmen, bzw. auch dort lassen. Hat jemand Erfahrungen, wie man eine Pagode am besten zulassen kann? Ich habe diverse Postings gefunden und den Eindruck gewonnen, dass das nicht so einfach ist. Vielleicht kann nochmal jemand zusammenfassen was er gemacht hat und wie er eventuelle Probleme (Konformitätserklärung?!) umschifft hat.

    Herzlichen Dank und viele Grüße
    Wim
     
  2. salve113

    salve113 Mitglied

    8
    8. Juni 2008
    Hallo Wim,

    der Import und die Zulassung eines Oldtimers in Spanien, das geht, ist aber mühselig. Ich habe das mit meinem
    230 SL gemacht, nachdem ich beruflich in Spanien gelandet bin, wo ich jetzt lebe. Das Auto ist ein original deutsches Auto, wo es, bis es mich nach Spanien begleitet hat, auch zugelassen war. Jetzt hat es eine spanische H-Zulassung.

    Ich versuche mal die erforderlichen Schritte zusammenzufassen.

    Grundsätzlich kann man das alleine machen. Die Alternative ist eine sog. „Gestoria“ zu beauftragen, die das alles für einen abwickelt. Ich habe diesen Weg gewählt, weil das Prozedere eben nicht so einfach ist. Eine „Gestoria“ ist eine Art Steuerberatungs-Büro, die auch andere Dienstleistungen anbieten, wie z.B. Hausverwaltung, oder Dienstleistung rund ums Auto, wie Eigentümerwechsel, etc. Diese Gestorias gibt es wie Sand am Meer, aber es gibt ganz wenige, die sich beim Import und gleichzeitiger Zulassung eines klassischen Autos auskennen.

    Ich lebe in Barcelona. In anderen Regionen bzw. Bundesländern kann evtl. kleine Details geben, die etwas anders laufen.

    Der erste Schritt ist die Erstellung eines „Bericht Historisches Fahrzeug“. Es gibt in Katalonien vier offizielle Zertifizierungs-Firmen („Laboratorio oficail“), die so eine Zertifizierung machen dürfen. Eine davon ist der „TÜV Rheinland Iberica, S.A.“. Die hatten das in meinem Fall übernommen (ist zwar der TÜV, hat jedoch noch nichts mit der „TÜV-Abnahme“ zu tun). Das Ergebnis ist ein Bericht, in dem bestätigt wird, dass das Auto original ist, und damit den Status eines historischen Fahrzeugs bekommen kann. Der Prüfingenieur macht den Abgleich der Fahrgestellnummer, prüft die originalen deutschen Autopapiere (Brief und Schein), nimmt überhaupt das ganze Auto auf und stellt die technischen Daten zusammen, Grundlage, das später die spanischen Papiere erstellt werden können.

    Der Bericht geht dann an die Behörde „Industria“, die katalogisiert das Auto als "historisch" und legt fest, in welchen Zeitintervallen das Auto zukünftig zur TÜV Untersuchung muss (in Spanien ist das die „ITV“). Das ist ein Vorteil von der H-Zulassung. Autos älter als 45 Jahre müssen nur noch alle 4 Jahre zum TÜV (wie mein 230 SL). Ohne H-Zualssung müssen bereits Autos älter als 10 Jahre jedes Jahr zum TÜV!

    Dann kommt noch die Abnahme von der ITV, dass das Auto verkehrssicher ist. Wie gesagt 4 Jahre gültig. Als ich mit dem Auto zur ITV musste, hatte ich das Auto in Deutschland schon abgemeldet, ich brauchte also für die Vorfahrt bei der ITV eine rote Nummer. Die ist in Spanien grün. Die ist dann aber gleich 2 Monate gültig. Da in Spanien alles länger dauert, ist das einen gute Sache...

    Letzter Schritt ist die Erstellung der endgültigen Autopapiere durch die spanische Zulassungsstelle „Trafico“. Dabei zieht die spanische Behörde den deutschen Brief und Schein ein. Die spanische Behörde leitet die alten, deutschen Papiere dann an die deutschen Behörden weiter.

    Die Kosten waren etwa 1.700 Euro. Ohne Gestoria vermutlich günstiger. Ob man in dem Verfahren Schritte umschiffen kann, weiß ich nicht, aber ich kann es mir schwer vorstellen.

    Sorry, das war fast der letzte Schritt: Wenn ein Auto zum ersten Mal in Spanien zugelassen wird, muss eine Erst-Zulassungs-Steuer bezahlt werden. Wenn es sich um das eigene Auto handelt, und man das Auto sozusagen als Umzugsgut nach Spanien mitbringt, fällt diese Steuer nicht an, jedoch nur wenn man die Zulassung in einer Frist von 60 Tagen nach Zuzug macht. Diese Frist ist kaum zu schaffen, weil die o.g. Schritte deutlich länger als 60 Tage dauern. Bei mir jedenfalls hat alles zusammen ca. 6 Monate gedauert!

    Noch ein paar Punkte zur spanischen H-Zulassung:

    Der Ingenieur von TÜV Rheinland Iberica meinte, dass sei eigentlich die einzige Möglichkeit, einen Oldtimer, der in Spanien eingeführt wird, zuzulassen. Eine normale Zulassung wäre noch aufwendiger.

    Vorteil der H-Zulassung, neben den längeren zukünftigen TÜV Intervallen, ist, dass man von der jährlichen Kfz-Steuer befreit wird.

    Ich hatte schon in Deutschland 3-Punkt-Automatikgurte nachgerüstet. Ohne diese dürfte man, mit der spanischen H-Zulassung, höchstens 80 km/h fahren.

    Das Auto hat einen Notsitz, der in Deutschland als Sitzplatz in den Papieren eingetragen war. Das geht in Spanien nicht. Quer zur Fahrtrichtig ist nicht zugelassen.

    Und dann habe ich noch eine kuriose Einschränkung in den spanischen Papieren: Da das Auto keine Nebelschlussleuchte hat, darf das Auto bei Witterungsverhältnissen mit entsprechend schlechten Sichtverhältnissen nicht gefahren werden. Aber hier scheint ja inflationär viel die Sonne!

    Schöne Grüsse
    Christian
     
    Fritz-aus-K, hkollan, Memmo und 7 anderen gefällt das.
  3. Sinan

    Sinan Aktives Mitglied

    23. November 2004
    Ich will nicht nach Spanien, aber vielen Dank für die Mühe mit den Text, sehr interessant.
     
  4. Hallgeber

    Hallgeber Aktives Mitglied

    97
    24. September 2014
    Hallo Christian,
    vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht, das hat sehr weitergeholfen! Ich werde ihm eine Gestoria empfehlen, er wohnt auf Mallorca.
    Viele Grüße,
    Wim
     
    coca-light gefällt das.
  5. diesel

    diesel Aktives Mitglied

    171
    21. März 2010
    Hallo Christian,
    ein wirklich sehr interessanter Bericht. Daran sieht man, wie einfach doch eine Zulassung in Deutschland ist. Und ich meine das nicht ironisch.

    Gruß Jürgen
     
  6. MartinK

    MartinK schraubt hemdsärmelig

    19. Mai 2012
    Hallo Jürgen,
    dann hast du vermutlich nie probiert, ein Importfahrzeug in Deutschland zuzulassen. Ich habe selbst mit dem 230SL ein heiloses Spießrutenlaufen gehabt, incl Androhung des Rechtsweges weil die Behörde eine Herstellerbescheinigung angefordert hat, die der Hersteller gar nicht ausstellen kann. Ich habe zum Thema Import-Oldtimer noch mehr Schoten auf Lager, die ich abendfüllend erzählen könnte....

    Gruß, Martin
     
  7. diesel

    diesel Aktives Mitglied

    171
    21. März 2010
    Hallo Martin,
    oh doch, dass habe ich. Das lief immer problemlos ab.

    Ich denke du musst auch zwischen Import aus dem EU-Ausland und einer innergemeinschatftlichen Zulassung unterscheiden.

    Gruß Jürgen
     
  8. ursodent

    ursodent ursus antennae

    9. Mai 2004
    Außer mit dem (deutschen) Zoll bei der Pagode habe ich bis jetzt (3x) keinerlei Probleme gehabt bei der Zulassung US-amerikanischer Mobile. Es fluppte.

    Nur mit dem 42er Front-Kennzeichen des (lebenslang seit 1956 im Ruhrgebiet zugelassenen) Ponton kröpfte sich das SVA auf...


    Michael
     
  9. SANDRIN

    SANDRIN Hammering Shit Can Driver

    548
    5. Oktober 2008
    Das ist sowas von richtig ... selbst in den vermeintlich eher flach verwalteten USA ist das komplizierter.
     
Müller Classic Motors
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.