Hallo zusammen,
ich habe gerade aktuell solch ein Getriebe in meinen 280SL eingebaut und bin mit dem Ergebnis im Fahrbetrieb überaus zufrieden. Endlich kein "Gestochere" in den mehr oder weniger ausgeleierten Schaltgassen sondern präzise Führung, perfekte Synchronisation und extrem angenehme Fahrweise dank gesenkter Motordrehzahl - zumindest auf der Autobahn. In der Stadt kommen nach wie vor im wesentlichen die Gänge 1 bis 4 zum Einsatz, die annähernd identisch zum originalen 4-Gang ZF-Getriebe übersetzt sind. Klare Empfehlung für die, die Kosten, Aufwand und Abrücken vom Original nicht scheuen.
Bei Geschwindigkeiten bis ungefähr 120/130 km/h kommt man völlig ausreichend mit dem 5. Gang aus. In diesem Bereich bietet der (280er) Motor auch noch ausreichend Reserve an Drehmoment für behutsame Beschleunigungsmanöver. Der 6. Gang hingegen dürfte weitestgehend dem konstanten Fahren (neudeutsch "Cruisen") bei Dauergeschwindigkeiten so ab 120 km/h aufwärts vorbehalten sein. Zum zügigen Beschleunigen muss zurückgeschaltet werden. Ich konnte es allerdings noch nicht ausgiebig genug testen, um genaueres dazu zu schreiben. Meine Hinterachse hat ein Übersetzungsverhältnis von 3,92, meine Bereifung ist 185 HR 14, der Abrollumfang beträgt also 2,05 m.
Das 6-Gang-Inline-Schaltgetriebe stammt aus der laufenden Produktion von GETRAG und gehört meiner Recherche zufolge zu der aktuellen 1er Baureihe von BMW. Es lässt sich wie von entsprechend modernen Aggregaten gewohnt hervorragend präzise und mit kurzen Schaltwegen bedienen.
Deutliche (!) Kritik verdient leider - wie so oft und völlig unverständlicherweise - die Bewerbung des Produkts. Fast durchgängig falsche Rechtschreibung, unpräzise Angaben usw. haben mich bei dieser nicht eben trivialen Investition zunächst lange zögern lassen, den Kauf tatsächlich zu realisieren, denn solcherart hochwertige Angebote treffen im alltäglichen Internet-Schwachsinn absolut nicht mein Verständnis und mein Wohlwollen bei deren Beachtung! Dennoch habe ich es dann schließlich doch gewagt...
Die knapp 60 kg schwere Kiste aus 12 mm Spanplatten auf Palette, manuell - wie bestellt - beschriftet mit "280SL", enthielt aufgeräumt und gut befestigt sämtliche zum Umbau des Getriebes erforderlichen Teile. Die originale Getriebeglocke wurde offensichtlich zuvor abgetrennt und durch eine zum M130-Motor exakt passende ersetzt (angeschweißt). Die passende Kupplung nebst zugehörigem Nehmerzylinder usw. gehören ebenso zum Lieferumfang wie ein weißer Schaltknauf mit eingravierter schwarzer Beschriftung.
Bedauerlicherweise passte dann jedoch das um die gegenüber dem originalen Getriebe etwas größere Einbaulänge des neuen Getriebes gekürzte vordere Kardanwellenstück nicht zu meiner Kardanwelle, da ganz offensichtlich zur 230er Ausführung gehörend. Der Anschlussflansch zum Getriebe mutete zumindest für mein ingenieurmäßiges Verständnis an wie "mal eben" aus einem Stück Blech ausgebrannt, was mir ebensowenig gefiel wie der mitgelieferte Schlauch zum Anschluss des neuen Kupplungsnehmerzylinders. Dessen Verschraubungspressung war nämlich schief und nicht fachgerecht ausgeführt. Ein neuer Schlauch wurde anstandslos nachgeliefert.
Da das passende vordere Kardanwellenstück leider einerseits trotz größter Bemühungen nicht sofort nachlieferbar und andererseits meine Zeit begrenzt war, habe ich mich nach entsprechender Absprache dafür entschieden, den ohnehin benötigten Auswuchtbetrieb damit zu beauftragen, das alte Kardanwellenstück meines Wagens einfach passend zu kürzen und einen Original-BMW Flansch anzuschweißen. Die ausgewuchtete Gesamt-Kardanwelle passte dann schließlich einwandfrei wie erwartet. Alles andere waren nur noch Standardarbeiten wie bei jedem Getriebeaus- und einbau üblich. Es gab keine nennenswerten Probleme.
Anmerkung: ich habe bei der Gelegenheit gleich noch die Motorlager mit erneuert, denen man ihren Verschleiß nicht unbedingt äußerlich ansehen konnte. Eine gute Entscheidung!
Der Antrieb der Tachowelle geschieht wie bereits an anderer Stelle beschrieben über einen kleinen, extern realisierten Riementrieb am Getriebeauslass. Anbau der Tachowelle und Funktion erfolgten ohne Beanstandungen. Aus meiner Sicht ein gelungener Kompromiss aus den bauartbedingten Notwendigkeiten des W113 und der heutigen konstruktiven Auslegung moderner Getriebe (elektrischer Abgriff). Ich sehe jedenfalls keinerlei Bedenken für einen reibungslosen Betrieb.
Abgesehen von der Zeitverzögerung durch Falschlieferung kann ich den Umbau nur wärmstens empfehlen. Die Originalteile habe ich gut gereinigt in der eingangs erwähnten Holzkiste eingelagert für den Fall, dass ich später einmal gezwungen sein sollte, zurückzurüsten. Auch dies dürfte normalerweise ähnlich problemlos machbar sein (bei mir allerdings wird ein neues vorderes Gelenkwellenstück notwendig ;-).
Ich werde im Juli eine längere Reise nach und durch Österreich von Norddeutschland aus unternehmen und dabei Gelegenheit haben, das Fahrverhalten zu erproben. Dabei gehe ich davon aus, dass neben meinen Ohren auch der Motor und mein Geldbeutel (durch gesenkte Drehzahlen auf der Langstrecke) deutlich weniger in Mitleidenschaft gezogen werden...
P.S.: Welcherart Probleme es bei künftigen HUs realiter geben sollte, erschließt sich mir im übrigen nicht.