Moin,
diese Diskussionen ob eine Pagode das Geld wert ist, was auf dem Preisschild steht tauchen hier ja öfter auf. Ich war letztes Wochenende in Hamburg und habe da in der Luxusmeile "Neuer Wall" gesehen wie dutzende Frauen in spärlich eingerichteten Geschäften Mäntel für Preise ab 5000,-EUR anprobieren und Herren vor Schmuckläden Schlange stehen um Schmuckstücke zu erwerben, die so viel kosten wie unsereins im Jahr netto verdient. Ich habe nichts dagegen und bin auch nicht neidisch. Keineswegs. Genau diese Menschen aber kaufen sich dann aber auch aus einer Laune heraus eben eine schicke Pagode für ne Viertelmillion weil sie so "süß" im Autohaus steht und man gerade Lust darauf hat. Ist doch OK. Ich für meinen Teil habe bedenken, meine Pagode im Notfall für ein angemessenes Geld verkaufen zu können, weil sie zu viele kleine Schönheitsfehler hat. Obwohl unrestauriert (jedoch Zweitlack), nummerngleich und funktionstüchtig. Den Lack aufarbeiten kriege ich für 1000 EUR hin und ein neues Polster und Teppiche kosten auch kein Vermögen. Leider sind es die Sachen, die Leute scheinbar wichtiger finden als eine einwandfreie Historie und technische Mängelarmut. Der Betrieb, der meine Pagode versiegelt hat, hat gestaunt daß meine Pagode nur ein Centgrosses Loch am Radlauf hatte und bemerkt daß die meisten angeblich rostfreien Pagoden aus USA nach dem Trockeneisen doch erhebliche Korrosionsschäden haben und dann umfanreiche Blecharbeiten anstehen und auch da genügt es nicht, das Loch zuzubraten, sondern nur originalgetreu reparierte Korrosionsschäden sind nicht erheblich wertmindernd.
Rolf-Dieters Idee, die Pagode nach Deutschland zu schaffen um sie hier ein paar Jahre zu fahren um sie dann evtl mit Gewinn zu verkaufen halte ich für gewagt weil man nicht weiß wie der Markt sich entwickelt. Die tatsächlich gezahlten Preise weiß keiner und jeder der sein Auto fährt hat wohl keinen Pebble-Beach oder Schloss Dyck Concours-Zustand. Denn nur diese Fahrzeuge werden wirklich vielleicht sechsstellig gehandelt Die Zahl der US-Importe nimmt stetig zu und nunmehr werden auch US-Fahrzeuge hochpreisig gehandelt wobei nach sachlicher Betrachtung bald eine Marktsättigung eintreten dürfte.
Ich kann nachvollziehen daß man es ohne Eigenleistung schaffen kann 200.000 EUR in einer Pagode zu "versenken" wenn man zum Neuaufbau um die alte Fahrgestellnummer herum nur Neuteile verwendet und auch sonst alles nach Stundenzettel machen lässt. Meiner Meinung nach ist diese Pagode dann zwar nur noch ein originalgetreuer Nachbau aus dem Teileregal, aber die Kundschaft dieser Fahrzeuge fragt nicht danach. Wenn Brabus die Pagode wirklich komplett in der Werktatt restauriert hat, dann ist der Preis (incl Mwst) sicher sachgerecht und die verdienen sicher nicht mehr daran als an einem Neuwagen. Die Mechatroniker dort wollen auch ihr Weihnachtsgeld.
Leben und leben lassen und jeder soll die Oldtimerei so betreiben wie er Spaß daran hat. Denn nur das zählt. Das Leben ist so kurz....
Gruss
MartinK