Hallo liebe Pagodenfans.
Ich bin keine Besitzer einer solchen, jedoch Besitzer von diversen Motorrad Oldtimern. Ich denke, dass ich dadurch mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und dem entsprechenden Respekt für die alten Schätze ausgestattet bin. Ich schreibe Euch als gelernter Uhrmacher und bin auf der Suche nach Details einer VDO Uhr zu Euch gelangt. Einige Beiträge haben meine Reparatur für einen Kunden erheblich verkürzt. Dafür erstmal Danke. Um etwas zurückzugeben, wie es in Foren eigentlich sein sollte, habe ich mich extra angemeldet. Mir sind bei der Reparatur Details aufgefallen, die hier leider nicht erwähnt werden, oder nicht bekannt sind.
Es wird immer wieder beschrieben, dass ein öffnen der Uhr von vorne nicht notwendig ist. Mein Exemplar würde jedoch ohne eine komplette Zerlegung nicht mehr lange existieren. Ich befürchte, dass dies aufgrund des Alters auch für viele Eurer Uhren zutrifft.
Die Zahnräder laufen mit Ihren Stahlwellen in Metalllagern oder besser Löchern in den Platinen. Für verschleißarmen Lauf ist hier zwingend Öl nötig. Dieses Öl altert jedoch und verharzt. Durch die erhöhte Reibung schleift sich das Loch in der Platine dann langsam oval. Der entstehende Abrieb verschärft dies noch und wirkt wie Schmirgelpaste. Dadurch ändern sich jedoch die Zahnradabstände. Zahnräder in Uhren werden so geschliffen, dass sie bei Eingriff auf einem Punkt aneinander abrollen und so kaum Reibung erzeugen. Ändert sich der Abstand der Wellen so entsteht mehr Reibung und auch Verschleiß an den Rädern. Außerdem schleift die "Schmirgelpaste" im Lager nicht nur die Lager aus, sondern auch die Politur auf den Wellenzapfen.
Ein häufiges Fehlerbild bei alten Uhren. Abhilfe schaffen nur neu einzusetzende Lager. Leider sind bei Euren Uhren nicht nur die von hinten erreichbaren oberen Platinen betroffen. Auch die Zifferblattseitige Platine hat ein im gleichen Maß ausgelaufenes Lager. An diese Platine kommt man nur mit einer Total-OP ran. Ob dies nötig ist, kann man selber prüfen, in dem man kurz über dem Lager mit einer Pinzette (vorsichtig) an der Welle ruckelt. Ist größeres Spiel vorhanden muss das Lager repariert werden. Nur mit Reinigen und Ölen gibt es langfristig keine guten Ergebnisse. Im übrigen warscheinlich auch die Urache für die schlechte Ganggenauigkeit, die hier teilweise erwähnt wird. Auf Dauer riskiert man einen Totalschaden.
Also achtet bitte auf dieses Detail. Ich öffne die Uhr von vorne und repariere alle Lager. Ist hier allerdings nicht mehr ganz so gefährlich, da der Ring bereits einmal geöffnet wurde. Somit ist die Optik im kaum sichtbaren Auflagebereich eh nicht mehr perfekt gewesen. Es muss jedoch auch Kontakte geben, die Instumentenringe ohne sichbare Spuren entfern und wieder aufsetzt.
Mit freundlichen Grüßen und der Hoffnung geholfen zu haben
A. Schlegel