Hallo Heinrich B.
Dieses Thema wird man nie zu Ende ausdiskuttieren können. Es kann dazu immer nur einen Meinungsaustasch geben. Ich möchte gerne zu diesem Meinungsaustausch beitragen und meine Sicht der Dinge schildern. Ich weiß, dass ich einer Minderheit anhöre und das es eigentlich nichts bringt zu argumentieren, aber ... schaun wir mal.
Ich habe diese Diskussion etwas abgewandelt schon in einem Motorrad-Oldtimerforum geführt. Ich fahre ein paar altes BMW aus den 60er und 70er Jahren. Für mich ganz natürlich, trage ich dazu alte Kleidung und Helme im alten Stil. Für mich gehört das dazu, wenn ich Oldtimer fahre. Ich verstehe nicht die Leute, die sich auf alte Motorräder setzten und sich dann eine Protektorenkombi, einen Vollvisierhelm mit Bluetoth und eine Leuchtweste anziehen. Und sich dann noch eine Navihalterung an das ansonsten peinlichst original restaurierte Moped schrauben.
Deutlich gesagt: Ich verstehe es nicht, aber ich r e s p e k t i e re das absolut. Jeder wie er will!!!
Gut, der Vergleich hinkt leicht in Bezug auf Gurte und Kopfstützen in der Pagode, geht aber in dieselbe Richtung. Es geht letzlich um die Sicherheit. Und jetzt kommen wir zum Punkt. Wie weit geht denn der Wunsch nach Sicherheit. Oder anders gesagt, wie wichtig ist die theoretische Sicherheit?
Wenn man es sicher möchte, sollte man dann 50 Jahre altes Auto mit Trommelbremsen fahren? Wie lang ist der Bremsweg aus 50 oder 100 km/h bei Pagode unter besten Umständen und wie lang ist er bei einem modernen Auto. Wenn man es sicher haben will, sollte man dann nicht ganz auf das Oldtimerfahren verzichten?
Was ist mit Autos die noch älter sind? Vorkriegsautos. Wie ist es da mit der Sicherheit?
Wollen wir anfangen alte Autos/Motorräder wegen der Sicherheit zu verbieten? Wo will man die Grenze dafür ziehen was noch sicher ist und was nicht mehr?
Und wenn man schon auf Sicherheit verzichtet weil man kein modernes Auto mit 20 Airbags, Brems- und Abstandsassistent fährt, was macht es dann noch aus, ob man Gurte hat oder nicht?
Wieviele Fahrzeugkilomter werden tatsächlich täglich, stündlich, minütlich gefahren und wieviele Verletzte gibt es denn dann pro gefahrenen Kilometer? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Unfall hat der so schwer ist, dass der Gurt und die Kopfstützen vor Verletzungen bewahrt?
Im Vergleich dazu, wie hoch ist das Risiko and Krebs, Bluthochdruck oder einem Herzinfarkt zu sterben. Geschweige denn die Wahrscheinlichkeit im Haushalt von der Leiter zu fallen?
Wie hoch ist gar die Wahrscheinlichkeit als Fußgänger durch einen Unfall schwere Verletzungen zu erleiden? Was ziehen wir also demnächst als Fußgänger an? Wie bewahren wir uns vor Krebs, Bluthochdruck und einem Herzinfarkt?
Ich nehme an, alle die Sicherheitsgurte und Kopfstützen nachgerüstet haben. also sicherheitsbewußt sind, machen regelmässig Sport, ernähren sich gesund, rauchen und trinken nicht und machen vermeiden auch sonst alle Risiken, wie Radfahren und im Dunkeln ohne Leuchtweste als Fußgänger auf die Straße zu gehen?
Wieviele Leute hier hatten schon einen Unfall mit der Pagode bei denen der Sicherheitsgurt und die Kopfstützen sie vor schweren Verletzungen bewahrt haben? Bestimmt gibt es ein paar wenige. Aber wieviele von Euch haben schon zigtausende Kilometer mit der Pagode gefahren und haben niemals den Gurt oder die Kopfstützen gebraucht?
Will sagen: Mit Sicherheitsgurt und Kopfstützen ist eindeutig besser und sicherer. Ganz klar und keine Frage! Aber... die Wahrscheinlichkeit, dass man sie tatsächlich braucht ist nahe Null.
Daher meine ich persönlich, darauf verzichten zu können. Wären sie drin gewesen, würde ich sie benutzen. Nachrüsten werde ich sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht.
Ich fahre seit 1981 Auto, seit 1983 fahre ich Motorrad. Nie hatte ich einen Unfall; geschweigedenn einen schweren. Dann, vor 4 Monaten, war es soweit. Auf dem Zweirad! Ja, aber nicht auf dem Oldtimer-Moped mit Trommelbremsen. Nein... auf dem modernen Motorroller. Kurz nach dem Anfahren an der Ampel ist ein Linksabbieger im Gegenverkehr bei Rot gefahren. Durch eine Vollbremsung mit der tollen Scheibenbremse des Rollers hat dieser sich vorne quer gestellt und ich bin umgefallen. Auf dem Kopf hatte ich eine Halbschale aus den 50er Jahren. Und was soll ich sagen, die Rübe ist ganz geblieben.
Und soll ich noch was sagen? Wäre ich auf dem Moped mit den Trommelbremsen unterwegs gewesen, hätte ich vorne nicht überbremst sondern hinten. Und das hätte ich sicher besser kontrollieren können. In diesem Fall ist die vermeindlich sichere Bremse sogar mein Verhängnis gewesen.
Das Leben besteht aus Risiken. Sie auszuschliessen ist unmöglich. Sie zu minimieren schon. Wer sich mit Gurt und Kopfstütze besser fühlt, sollte das machen. Wer das besagte Risiko als eines von vielen vielen vielen anderen hinnehmen möchte, dem ist diese Entscheidung per Gesetz (EZ: 71) zugestanden.
Man sollte das respektieren und jedem seine freie Entscheidung lassen.
Gruß Thomas