Hallo,
das Ölwechselthema ist komplex ich versuche gerade eine definitive Aussage zu recherchieren. Der Zeitaufwand dafür ist aber asymetrisch zu dem Erkenntnissgewinn. Und ich bin mir nicht mal sicher ob es eine gültige Aussage gibt.
In den US Werkstattanweissungen der 60er waren Servolenkungsöl erneuern bei der ganz grossen 60,0000mls Inspektion (Quasi der C-Ceck des Autos) vorgeschrieben.
Davor gabs nur die Filterwartung im Intervallrhytmus der Automatik.
Das Thema ist leider komplex und hat sich über die letzten 40 jahre öfters neu definiert in den frühen 60ern gabs noch keine ATF Unter-Spezifikationen der "Wundersaft" wurde exclusiv von GM/Dupont hergestellt und der Dollarkurs machte den Getriebeölwechsel so teuer wie einen Kupplungsservice.
Warum man bei Daimler die Servo mit ATF Öl konstruiert hat wird wohl damals gute Gründe gehabt haben.
In den 90ern wurde zB bei Daimler von ATF auf Pentosin "umgeöllt" weil das Pentosin weniger aggressiv ist und längere Standzeiten hat.
Später hat man dann wieder das neue Synth ATF eingefüllt.
Es gibt auch diverse Ansichten ob man das Öl nur im Behälter erneuert oder dass System durchspült und komplett neu befüllt. Damit das noch unübersichtlicher wird empfiehlt man für ZF Pumpen andere Methoden als für die Vickers Pumpen.
Und damit das noch interessanter wird während bei der Konkurenz die Servopumpen und Lenkgetriebe bei "Wartungsrückstand" verschleissen oder versagen kennt man derlei Probleme bei Benz erst seit den 80ern bzw erst nachdem irgendein Pfennigfuchser ab Mitte der 90er den Ölfilter im Servobehälter wegrationalsiert hat.
(Der Pfennigfuchser sass wohl bei ZF der denn unter dem Kostendruck der Hersteller entstehenden Verdienstausfall als Reparturaufwand im Interesse aller Beiteiligten "nachverlagert" hat, die typischen Ersthandkunden juckt doch nicht wenn nach 5 Jahren die Ausfallwahrscheinlichkeit bei 10% liegt und man meist noch das Lenkgetriebe mit erneuern darf, ich warte immer noch drauf dass die Lonlifeölblase der Hersteller platzt bzw im Ausland sind diverse BMW oder Daimler Autos gebraucht schon unverkäuflich)
Für Laien und Mechatronicer ist der Ölzustand schwer abzuschätzen dafür gibts für viel Geld eine Ölanalyse.
Bei 0,5l Ölwechselmenge lohnt keine Ölanalyse ausser man will den Verschleisszustand ermitteln und länger beobachten. Alte KFZ Mechaniker nehmen einfach einen Tropfen zwischen Daumen und Zeigefinger und ersetzen damit ein teueres Tribometer (Oft auch als Falextester bekannt).
Der Tropfen wird"verrieben" und dann kommt langjährige Erfahrung nach 100ern Ölwechseln wie sich das Öl anfühlen sollte (Meist hat man eh beim lösen der Ölablasschraube Öl an den Fingern, wenn nicht, beim Filterausbau gehts auch). Motor-Öl ist nicht unbedingt Gesundheitsfördernd aus Arbeitsschutzgründen dürfte die traditionele Methode wohl nicht mehr zulässig sein.
Die Geschmacksprobe wurde mir noch von meinem Lehrmeister erklärt, der hatte auch noch eine Ölzustand&Misch Messvorrichtung für Daimler Benz Flugmotore und zwar DB603 und DB605 wo man den 36 bis 50l Ölwechselintervall auf optimale Länge strecken musste.
Es ist reine Schätzung und je verschlissener das Öl um so Wässriger fühlt es sich an und um so mehr reiben die Fingerkuppen. Bei einem frischen Öl fühlt man den anderen Finger nicht. Bei verschlissenem Öl fühlt man das Rillenprofil.
ATF Öl ist kein Motoröl und da muss man einfach mal frisches ATF mit dem gebrauchten ATF aus dem Getriebe vergleichen und dann mal den Finger mit Öl aus der Servolenkung benetzen. Dann hat man 3 Ölproben zum vergleichen als Schätzbasis.
Als Drucköl für die Servo ist die Schmiereigenschaft des ATF nicht so wichtig man nutzt aber die Fähigkeit des ATF Schwebestoff einzubinden. Irgendwann ist die Sättigung erreicht und Schwebstoffe werden dann nicht mehr zum Filter transportiert.
Ich würde mal als Tipp für den Amateur sagen das man sich einfach an der Ölfarbe orientiert und sobald man schwarze Partikel findet hat man entweder Verschleissreste oder sich aufösende Gummimaterialen vor sich. Wer sicher gehen will kann einen kleinen Magnet im Behälter versenken und fängt dann die Microfeinen Metallpartikel ab aber nicht die Alupartikel.
Aus meiner Sicht macht es keine Sinn denn Dreck die ganze Zeit umzuwälzen wenn man in 15-30 Minuten einen Grossteil davon raus bekommt.
Aber es gibt auch die Sicht es einfach so lange drin zu lassen bis was Kaputt ist wenn überhaupt was kaputt geht und sich auf lange Sicht der Zusatzaufwand nicht rechnet.
Denn "Keramik" Filter reinigt man mit Waschbenzin, Kalttreiniger, Spiritus oder heutzutage im Ultraschallbad. Nach dem reinigen blässt man mit sanftem Druck von innen nach aussen durch und dann lässt man denn noch etwas trocknen. Auf jeden Fall soll man auch den Behälter Innen auswischen. Klopapier ist schlecht weil es Fasern hinterlässt.
Da der Keramikfilter an der Unterseite mehr verdreckt als oben unter dem Deckel dreh ich denn bei der Remontage um 180° damit das Teil gleichmässig "verschleisst".
Da der "Keramikfilter" nicht die Welt kostet kann man denn auch als Wegwerffilter behandeln.
Der keramikfilter verformt sich mit der Zeit wobei es Autos gibt wo der Filter nur Ovaler wird und leicht bauchig und woanderst verdreht er sich und bekommt unparallele Aufstandsflächen. Ich vermute das hängt mit der maximalen Öltemperatur zusammen.
Hier ist der Kermikfilter abgebildet:
[299022] Filter am Servo Behälter im Bildkatalog;
SLS Ersatzteile - Mercedes-Benz 230SL 250SL 280SL Pagode (R113/W113)
Falsche Pumpe, falsches Baujahr und Ausführung mit Wegwerffilter aber informativ:
Mercedes Power Steering Fluid Service
PeachPartsWiki: Power Steering Filter Change and Fluid Flush
Und wie ich schon mal oben angedeutet habe; es gibt eigentlich keinen Generalfahrplan wann man das Servoöl erneuern muss.
Bei einigen Autos bleibt das Öl jahrelang sauber bei anderen ist es zügig wieder trübe und hat Partikel im System. Das hängt zum Teil davon ab welche Vorgeschichte das Auto hatte aber aufällig ist wenn eine Pagode mal restauriert wurde und die Lenkung überholt erneuert und man dann den Ölstand/Verschleissverlauf verfolgt ist eigentlich ewig Ruhe. Bei US Autos mit unbekannter Servicehistorie (meist keiner) hat man immer leicht Partikel im Öl die dann irgendwann das versagen von der Lenkung vorankündigen weil die Pumpe immer weniger Druck macht und Geräusche hörbar werden. Dann kann man mit dem Ölwechsel noch die Restservicezeit der Lenkung verlängern und wenn der Kunde 2 Monate im Jahr/2000km fährt dauert es noch Jahre bis man die Servolenkung aufarbeiten muss.
Man darf nur nicht zu lange warten weil sonst das Lenkgetriebe zu viel internen Verschleiss hat und damit mehr als nur eine Überholung braucht.
Grüsse vom Orakel aus Benzi