Lenkrad Restaurieren und Patina erhalten
Hallo,
ein neues Lenkrad kann jeder haben - echte Patina dagegen gibt's nicht zu kaufen.
Hier eine kleine Anleitung, wie man mit einfachen Mitteln sein Lenkrad restaurieren kann ohne dass es an Originalität einbüßt.
Ausgangslage
Das Lenkrad hat eine rauhe Oberfläche, ist übersäht mit Rissen, an den Rissen gibt es scharfe Kanten, das Lenkrad ist verdreckt :-(
Das Lenkrad ist ansonsten noch vollständig bzw. ausgebrochene Stücke sind noch vorhanden und können wieder eingeklebt werden.
Die Schritte:
Lenkrad reinigen
Gründlich reinigen, insbesondere die Risse soweit möglich (z.B. mit alter Zahnbürste). Mit möglichst wenig Feuchtigkeit arbeiten, damit kein Wasser ins Innere eindringt.
Oberfläche glätten
Das Lenkrad besteht aus Bakelit.
Brennspiritus löst diesen Kunststoff leicht an. D.h. jetzt heisst es mit einem Brennspiritus getränkten Lappen über die rauhe Oberflächen rotierend reiben. Es dauert ein wenig, aber ganz langsam löst sich die Oberfläche an. Immer wieder drauf achten, dass man mit einer sauberen Stelle des Lappens reibt. Nimmt man einen Lappen aus grobem Leinenstoff, dann nimmt das rauhe Tuch die angelösten Bakelitpartikel auf. Durch das Anlösen wird die bearbeitet Oberfläche leicht klebrig. Also kurz warten und den Alkohol verdunsten lassen, bevor man die Oberfläche mit den Fingern auf Glattheit prüft. Ansonsten verewigt man seine Fingerabdrücke im Lenkrad
Und nie zuviel auf einmal anlösen wollen. Ist der Lappen gut mit Spiritus getränkt und man wischt nur mit wenig Druck, wird die Oberfläche ganz glatt.
Risse füllen
Man nehme einen klaren, flüssigen Kunststoff. Sollte hoch viskos sein, d.h. er fließt gut in die kleinen und großen Risse. Der Kunststoff soll die Risse füllen und die Teile miteinander verkleben. Außerdem sollte er so elastisch sein, dass er nach dem Aushärten nicht ausbricht und die thermische Beanspruchung mitmacht. Außerdem muss er UV-beständig sein, wir Pagodistas fahren ja schließlich bei schönem Wetter oben ohne
Der Flüssigkunststoff LZ-80 der Firma Reicolor Chemie GmbH erfüllt diese Anforderung - auch wenn er eigentlich für einen ganz anderen Zweck produziert wird. Aber diesen hatte ich zur Hand. In der großen und weiten Welt der Flüssigkunststoffe gibt's bestimmt noch eine Reihe Anderer, welche diese Anforderungen auch erfüllen. Den Kunststoff gibt es in vielen Farben. Ich habe farblosen, d.h. transparenten, für mein elfenbeinfarbenes Lenkrad genommen.
Verarbeitung des Kunststoffs
Den Kunststoff mit einem Pinsel auftragen, sodass er auch in die Risse fließt. Dann trocknen lassen. Dabei schrumpft der Kunststoff. Je größer der Riss, desto häufiger muss man das Auftragen + Trocknen wiederholen. Eben solange bis der Riss gefüllt ist. Durch den Pinselauftrag härtet auch Kunststoff neben den Rissen auf der Oberfläche aus, wo man gar keinen braucht. Um den überstehenden Kunststoff zu entfernen nimmt man die zu LZ-80 gehörende Spezialverdünnung VK-80 des selben Herstellers. Dieses Lösungsmittel verflüssigt den Kunststoff wieder, löst aber das Bekelit
nicht an! Dadurch kann man gezielt den überschüssigen Kunststoff entfernen ohne dass das Lenkrad angegriffen wird.
(Bei der Verarbeitung lösungsmittelfeste Schutzhandschuhe benutzen und am besten im Freien arbeiten !!! Verarbeitungshinweise beachten).
Also mit einem lösungsmittelgetränkten Leinenlappen über die Stellen reiben, wo der Kunststoff weg soll. Über den Rissen möglichst ohne Druck arbeiten, ansonsten reibt man den Kunststoff auch aus den Rissen wieder raus. Da soll er aber bleiben.
Nachdem der überschüssige Kunststoff entfernt ist nochmal die Oberfläche des Lenkrads mit Brennspiritus glattreiben. Der Brennspiritus löst den ausgehärteten Kunststoff LZ-80 nicht an, sondern nur das Bakelit. Dadurch erhält man eine absolut glatte Oberfläche. Man sieht die Risse noch, aber die Oberfläche ist geschlossen und glatt.
Fazit
Die oben beschriebene Methode ist sehr schonend in Bezug auf das empfindliche Bakelit. Man muss nicht schleifen (wie z.B. bei Epoxydharz) und auch nicht lackieren. Als Resultat erhält man ein originales Lenkrad. Das Griffgefühl des superglatten Bakelits bleibt erhalten. Man sieht auch weiterhin die Maserung der transparent verfüllten Risse, die dem Lenkrad seine unverwechselbare Individualität geben, aber man spürt sie nicht.
Liegt eben wieder echt gut in der Hand
