Jop, Schließwinkel = der Winkel in dem der Kontakt geschlossen ist und die Zündspule läd. Bei steigender Drehzahl pro Minute ist natürlich die Ladezeit der Zündspule immer kleiner und die Zündspannung sinkt so. Bei modernen Zündanlagen gibt es eine Schließwinkelregelung mit Strombegrenzung, die können also im Leerlauf einen kleinen Schließwinkel fahren, der dann ausreicht um die Zündspule zu laden und bei hoher Drehzahl einen großen Schließwinkel (eben in kurzer Zeit, weil es schnell dreht) und so die Zündspule mehr laden, als ein statisch eingestellter Winkel. Somit hat man bei hohen Drehzahlen eben einen "kräftigeren" Funke, weil die Spule mehr Ladung bekommt. Das ganze muss natürlich exakt auf Motor, Drehzahl, Gemisch und auch auf Spule, usw. usf. abgestimmt sein, denn wenn die Spule zu sehr geladen wird, dann ist die Zündspannung zu hoch und man handelt sich die bereits von mir beschriebenen Probleme ein.
Die aktive Schließwinkelregelung geht idr. immer mit einer Strombegrenzung einher, um eben den Funken nicht "kräftiger" zu machen als nötig. Das Problem bei sämtlichen Nachrüstzündanlagen ist jedoch, dass diese eben den Funken konstruktiv "Kräftiger" machen, also idr. eine höhere Zündspannung fahren und genau dass ist eben entgegen der langläufigen Laienmeinung NICHT gut. Das geht auf Spulen, Kerzen, Kabel und Verteilersätze. Das ist dafür nicht ausgelegt und verschleißt dann eben schneller.
Dazu erkennen moderne Einspritz/Zündsysteme natürlich auch den "Rundlauf" eines Motors und können die Einspritzmengen auf die Zylinder einzeln regeln und auch die Zündzeitpunkte pro Zylinder anpassen, um einen möglichst guten Rundlauf zu erreichen. Das geht so weit, dass du teilweise bei BMW z.B. von 6 Zylindern 2 abziehen kannst, das merkt man kaum, der Motor läuft dann immernoch verdammt gut
Es ist allerdings wie ich schon schrieb auch so, dass n Unterbrecherkontakt problemlos 10.000+km schafft und die Technik eigentlich gut und zuverlässig funktioniert. Manche basteln halt gerne, man kann es aber auch Original fahren. Wenn ich eine moderne Zündanlage haben will, kaufe ich das entsprechende moderne Auto drumherum einfach gleich mit und fertig.
Über die Praxiserfahrungen mit unzähligen Nachrüstzündsystemen habe ich ja bereits berichtet, eine einigermaßen gewartete Kontaktzündung läuft immernoch am zuverlässigsten. Bei ner Petronix Zündung oder ähnlichem hat man auch keine Wartungsfreie Zündanlage, denn man muss trotzdem den Verteilersatz regelmäßig kontrollieren, den Schmierfilz unterm Läufer Ölen für die Fliehkraftverstellung und der Zündzeitpunkt verstellt sich schon durch normalen Verschleiß am Verteiler und Antrieb eben trotzdem irgendwann. Klar, das dauert 50.000km...
Wie ich bereits vorher geschrieben hatte, gibt es eben an den tollen theortetisch tollen Zündanlagen in der Praxis eben doch viele Probleme, die sich nicht am Zeichenbrett vorher sehen lassen, sondern erst auffallen, wenn das Auto aufm ADAC Abschlepper in die Werkstatt kommt. Ich habe schon ohne Ende Nachrüstzündanlagen rausgerissen, weil die eben doch nicht so funktioniert haben, wie propagiert wurde und dadurch Fehler zustande kamen, die vorher nie jemand so vorher gesehen hat. Auch habe ich schon ohne Ende "Zündanlagentuning" zurück gebaut, danach liefen die Autos wieder...
Ne Pagode hat idr. ne Zündspannung um die 8.000-10.000 Volt. Darauf ist auch der Verteiler ausgelegt. Wenn du dir nun modernere Zündanlagen anschaust, z.B. bei nem 300er Mercedes (M103 oder M104 Motor), dann siehst du schon, dass die Verteilerkappen mindestens doppelt so groß sind. Die haben um die 16.000 Volt. Die Größe ist nötig, um die Funken sicher zu verteilen, die Kappe von nem M129 / M130 ist viel zu klein, um da hohe (moderne) Zündspannungen drinnen fahren zu können. Bei warmen Motor und magerem Gemisch (Gaswegnehmen) führt Zündanlagentuning dann gerne dazu, dass der Funke so viel Spannung hat, dass er sich in der Kappe verirrt und den falschen Kontakt trifft, sprich, den falschen Zylinder zündet. Das ist dann das nette "Auspuffknallen" bei Gaswegnehmen, was man schonmal bei den Autos hört. Das kommt oft von solchen Nachrüstzündanlagen.
Richtig empfindlich sind die Vorkriegsautos mit den kleinen Verteilerkappen, 170er Mercedes aber auch im Opel Kadett gabs die Kappen. Noch schlimmer ist das beim 230er Vorkrieg, da hast du 6 Pinne bei fast identisch kleiner Kappe. Die Autos haben ne Zündspannung um die 6 KV, da reicht schon eine neue Zündspule von Bosch aus, um alles durcheinander zu bringen. Die vertragen solche Spannungen nur, wenn die Verteiler 100%ig Spielfrei sind. In dem Moment wo da minimaler Verschleiß drin ist und die Verteilerwelle noch etwas schlackert, ists vorbei. Baut man die neue "moderene" Zündspule aus, auch wenn Bosch und MB sagen sie wäre für das Auto passend und baut ne alte Originalspule ein, ist z.B. Auspuffknallen beim Gaswegnehmen, etc. sofort Geschichte.
All diese Dinge lassen sich aufm Zündscope natürlich wunderbar sehen
