Hier nun auf besonderen Wunsch Auszüge aus dem Artikel der FAZ:
"Tatsächlich ist grüne Elektrizität wetter- und tageszeitenabhängig, sie lässt sich nur unzulänglich speichern, und sie braucht intelligente Verteil- und mehr Übertragungsnetze, da die Erzeugung oft nicht dort stattfindet, wo man den Strom benötigt. An windstillen und trüben Tagen oder nachts springen entweder regelbare Gas- und Kohlemeiler ein, oder Deutschland muss Strom einführen.
Seit Abschaltung der letzten Kernkraftwerke Mitte April importiert Deutschland mehr Strom, als es exportiert. Oft kommt die Elektrizität aus Ländern, die weiterhin auf Kern- und Kohlekraft setzen, die Energie hinter Talsperren speichern oder deren Erneuerbare sich regulieren lassen, wie die
Wasserkraft in Österreich.
Die fehlende Steuerbarkeit in Deutschland rächt sich aber auch an sonnigen und windreichen Tagen, wenn die Erneuerbaren eigentlich ihre große Zeit haben. Dann produzieren sie viel Strom zu geringen Kosten. Und das mitunter derart überschießend, dass die Anlagen gegen Entschädigungen heruntergefahren und die exzessiven Strommengen ins Ausland geliefert werden müssen, um das Netz nicht zu überlasten. Der Export geschieht dann zu niedrigen Preisen, teilweise wird der Überschussstrom sogar verschenkt, zuweilen muss Deutschland noch eine Abnahmegebühr zahlen, was man beschönigend „negative Preise“ nennt.
Die Inflexibilität der erneuerbaren Energien führt dazu, dass der überschüssige deutsche Strom unter anderem von der Schweiz und Österreich abgenommen und gespeichert wird. Dafür zahlt Deutschland eine Abnahmegebühr. An windschwachen Tagen kauft Deutschland diesen Strom zu hohen Preisen wieder zurück. Die ‚Entsorgung‘ von Ökostrom kommt den Steuerzahler teuer zu stehen.“
Der Volkswirt Manuel Frondel, der auch Abschlüsse in Physik und Wirtschaftsingenieurwesen hat und Energieökonomik an der Universität Bochum lehrt, hält die Aussage des FDP-Fraktionsvorsitzenden Dürr für korrekt, dass Deutschland gleichsam doppelt ans Ausland zahle: für die Abnahme und Speicherung des Stroms und dann wieder für die Rücknahme: „Natürlich zeigen negative Strompreise an, dass etwas im Argen liegt. Sie sind ein Indikator für höchste Ineffizienzen: Es wird grüner Strom produziert, obwohl die Nachfrage dafür nicht da ist.“
Paradoxerweise seien auswärtige Kernkraftwerke durch die deutsche Energiewende wertvoller geworden „und dürften daher noch lange weiterlaufen“. Für Deutschland bedeute die Energiewende: „Es stellt die Produktion von wertvollem Strom ab und setzt auf mit Steuergeld subventionierten Billigstrom.“"
Quelle: F.A.Z.