Servus zusammen,
in den letzten Tagen haben wir – Alfred, Achim, Norbert, Sead und ich – uns die Karosserie-Kennzeichnung bis Oktober 1963 genauer angesehen; vielen herzlichen Dank ans Alpha-Team für die vielen Stunden Arbeit.
Die 230 SL Betriebsanleitung „A“ vom Mai 1963 erwähnt hierzu insbesondere das Schild „Karosserie-Nr. u. Lackierungs-Nr.“ in der A-Säule, siehe unten.
Dieses Schild zeigt in der ersten Zeile die Karosserienummer als 13-stellige Nummernfolge aus
1. Baumuster; im Beispiel „113 042 10“ für einen 230 SL mit Lenkung rechts und mechanischem Getriebe
2. Aufbaunummer (5-stellig); im Beispiel „00070“
Zusätzlich ist vor dieser 13-stelligen Nummernfolge im Schild ein
„A“
eingeschlagen, vermutlich – denn restlos lässt sich das nicht mehr klären – um diese Karosserienummer von der 14-stelligen Fahrgestellnummer im fast selben Zahlenformat zu unterscheiden; die Verwechslungsgefahr war und ist sehr hoch, besonders bei den ersten rund 1.700 Pagoden, bei denen die Differenz zwischen diesen beiden Nummern nur wenige Zähler beträgt (später mehr dazu).
Zur Erinnerung: Die Aufbaunummer war damals in der gesamten Produktion das zentrale Steuerinstrument vom Rohbau bis zur Endkontrolle; die Fahrgestellnummer konnte aufgrund der Anfang der 1960er Jahre rapide zunehmenden Stück- und Variantenzahlen nicht mehr vor der Produktion vorhergesagt werden, beziehungsweise erst nach der Lackierung von der Produktionssteuerzentrale (PSZ) zugewiesen werden (später mehr dazu).
Diese Karosserie-Nr. ist nochmal auf dem Halteblech für die Relais und Wischermotor eingeschlagen, wie schon oben geschrieben, allerdings ohne „A“, plus der Produktions-Nr. zur Identifikation der Teile für die Innenausstattung, et cetera, siehe oben und unten.
Für jemanden, der damals mit einer Stoppuhr durch die Produktion lief, muss die Kennzeichnung der Karosserie ein Alptraum gewesen sein: Nummern in den Produktionspapieren suchen; Nummern in das Halteblech einschlagen; die gleichen Nummern nochmal, nur mit einem „A“ davor, in das Karosserieschild einschlagen; Lack-Nummern und Lack-Herstellerkürzel in den Produktionspapieren suchen; Nummern in Karosserieschild einschlagen; fertiges Karosserieschild erst nach der Lackierung anschrauben; und bei alledem nichts verwechseln; furchtbar.
Vor diesem Hintergrund ist Mercedes-Benz mit den geprägten Karosserieschildern ab November 1963 ein ganz großer Wurf gelungen:
- Ein statt zwei Schilder;
- Schild ist überlackierbar;
- weniger Fehlerquellen und
- keine Verwechslungsgefahr mehr;
und vor allem
- mit Video-Kameras direkt von der Fertigungsstraße nach der Lackierung in die Produktionssteuerzentrale (PSZ) übertragbar, um das passende Fahrwerk in kürzester Zeit zuzuweisen - ein sehr frühes und sehr gelungenes Beispiel von Datenfernübertragung;
ein Quantensprung in der Logistik.
Herzlichst,
Tom
