Hallo, Bernd.
Danke für Deine Ergänzung, die ich leider nicht unkommentiert stehen lassen kann.
Der Wärmefühler (Dehnstoffelement) an der Einspritzpumpe (ESP) hat nichts mit dem Thermostat oder der Art des Thermostats zu tun. Das Kühlwasser, das durch den Wärmefühler strömt, stammt aus Motorblock, solange das Thermostatventil nicht geöffnet ist.
Genau: Wenn aber der Kühlwasserthermostat defekt wäre, dann strömt evtl Kühlwasser bereits in den Kühler, obwohl die Motortemperatur noch nicht erreicht ist, dann wird das Dehnstoffelement nicht richtig warm und der Motor magert nicht korrekt ab.
Die Warmlaufkorrektur der ESP beginnt bei + 20 Grad Celsius und hört bei + 50 Grad Celsius auf. (siehe Bosch Prüfwerte VDT-WPP 001/5 von 06.1968)
der Luftschieber regelt aber früher zu als die Kraftstoffabmagerung, d.h. wenn der Luftschieber bereits zu ist, kann die ESP noch im Fettbereich stehen.
Das Thermostatventil hält nicht die Motortemperatur konstant (das wäre schön, denn dann hätten wir keine Überhitzungen mehr), sondern sorgt dafür, dass die Motortemperatur nicht unter ein bestimmtes Minimum sinkt (78 Grad C) bzw. die Motortemperatur dieses Minimum schnellsten erreicht, indem es den restlichen Kühlkreislauf solange vom Motorblock fernhält, bis eben dort diese 78 Grad erreicht sind.
Das ist auch nur Teil der Wahrheit. Der Thermostat hält tatsächlich in seinen Grenzen die Motortemperatur nach oben und nach unten annähernd kostant. Im Prinzip ist das Thermostatengehäuse ja ein Mischer. Ist der Motor noch zu kalt, dann zirkuliert das Wasser im Motor, wird er wärmer, wird aus dem Kühler kaltes Wasser dazudosiert und der "kleine Kreislauf" weiter aufrechterhalten. Steigt die Motortemperatur, so wird mehr und mehr Kühlwasser aus dem Kühler dazudosiert und der Motorkreislauf unterbrochen. Ist der Thermostat voll offen, dann zirkuliert das Wasser komplett durch den Kühler. Sobald der Betriebsszustand es wieder erlaubt, dann schließt der Thermostat den Kühlerkreislauf wieder und lässt das Wasser im Motor zirkulieren um ein Auskühlen zu verhindern.
Ab einer gewissen Temperatur ist eben der Thermostat komplett zu (z.B. unter 80°C) oder komplett offen (z.B. über 100°C). Man kann dieses Gleichgewicht oft beobachten, wenn die Motortemperatur über 80°C steigt und z.B. bei 90°C konstant bleibt.
Das Dehnstoffelement der ESP hat bei + 50 Grad Wassertemperatur im Motorblock seine größte Ausdehnung erreicht und deshalb wird der Kanal für die Zusatzluft bei 50 Grad verschlossen (und nicht erst bei 79/80 Grad oder mehr).
Es darf also keine Zusatzluft mehr angesaugt werden, wenn die Wassertemperatur des Wassers, welches durch das Gehäuse des Wärmefühlers fließt über 50 Grad liegt.
Siehe oben, die Absteuerung der Zusatzluft ist kein Beweis über die richtige Einstellung, sondern nur eine Annäherung. Du schreibst es selbst:
Bei der gleichen Temperatur bewirkt der Druckstift, der durch das Dehnstoffelement bewegt wird, dass durch Verstellung der Steuerwippe im Regelteil der ESP die Benzineinspritzmenge reduziert wird.
Wenn das bei 50 Grad nicht der Fall sein sollte, muss das Element oder der Sitz oder die Anzahl Unterlegscheiben überprüft werden.
Bezogen auf den Wirkungskreis des Dehnstoffelements der ESP spielt die Art des Thermostats (egal ob 71 Grad, 78 Grad oder 85 Grad) absolut keine Rolle.
Stimmt! Aber nur für den Fall daß der Thermostat korrekt funktioniert.
Bezogen auf die Zeit, die es dauert bis die Motortemperatur von normal auf zu heiß steigt, spielt die Art des Thermostaten sehr wohl eine Rolle. Es ist nämlich ein großer zeitlicher Unterschied, ob sich 12,5 Liter Wasser von unter 80 Grad Normaltemperatur oder von rund 85 Grad Normaltemperatur auf über 100 Grad aufheizt.
Es sind ja nicht nur die 12,5 Liter Wasser, sondern auch das Metall rundherum, hehe. Ich habe es bereits geschrieben:
Das frühere öffnen des Thermostaten bei z.B. 79°C schützt nicht gänzlich vor Hitzeproblemen, man ist nur ein paar Grad weiter davon weg.
Die Konstrukteure unserer Motoren haben das sehr wohl gewusst und deshalb die Öffnungstemperatur des Thermostaten für unsere Motoren (230, 250 und 280 SL) auf 78 bis 80 Grad festgelegt (nachzulesen in den Tabellenbüchern) und deshalb auch werksseitig einen 78 Grad Thermostaten verbaut.
Da glaube ich dran, daß man einfach damals übliche Fertigteile genommen hat und die Temperatur willkürlich festgelegt weil salopp gesagt alle Mercedesse der 60er und 70er Jahre mit 79er Thermostaten ausgeerüstet waren. Vom 200D bis 300SE war der überall drin. War halt so.
Die 78 Grad Thermostaten sind wieder lieferbar (zumindest im Zubehörhandel).
Finde ich auch gut, denn man hat in den 80er jahren die Motortemperaturen durch andere Thermostaten erhöht um den Wirkungsgrad zu verbessern, was aber für die Pagode nutzlos oder gar schädlich ist, jedoch wage ich die Kühne Behauptung daß wir mit unserer Kutscherei, wenn sonst alles Funktioniert, den Motor mit 79, 80 oder 83 oder 85 Grad Dauerbetriebstemperatur keinen Schaden zufügen.
Grundsätzlich gilt die Vorgabe des Herstellers, wegen der Gewährleistungsansprüche.
Gruß
MartinK