Unterbodenschutz entfernen / erneuern
Hallo, Peter,
zum Einsatz von Trockeneis gibt es unterschiedliche Ansichten, insbesondere was die (Un-)Wirkungsfähigkeit bzgl. der Entfernung des werksseitigen UBS angeht.
Ich würde dir folgende Vorgehensweise empfehlen:
Kippheber besorgen, Flüssigkeiten vom Fahrzeug ablassen und dann die Pagode auf die Seite legen (Kippheber mit Unterstelböcken sichern!). So kannst du am effektivsten arbeiten. Eine Hebebühne ist natürlich auch nicht schlecht, aber das Über-Kopf-arbeiten ist dann doch deutlich anstrengender.
Bevor du loslegst, ist es erforderlich, die zu bearbeitenden Bereiche des Unterbodens freizulegen. Das heißt: Auspuff demontieren, Tank und Benzinpumpe auch und die Leitungen am besten ebenfalls (einschl. Handbremsleitung). Außerdem sollten die Schwellerverkleidungen unbedingt abmontiert werden.
Zum Entfernen des alten UBS solltest du folgende Dinge parat haben:
- Schaber zum drücken
- Schaber zum ziehen (empfehlenswert: Winkelschaber von Hazet mit unterschiedl. Klingen)
- Heißluftgebläse (Föhn)
- Flex mit CSD-Scheiben (Negerkekse)
- Bohrmaschine mit Aufsatz für Negerkese
- Drahtbürstenaufsätze für die Bohrmaschine
- Drahtbürste
- und zum Reinigen: Einen Kanister Silikonentferner
Bei Schleifarbeiten mit Flex oder Bohrmaschine unbedingt Schutzbrille tragen!!!!
Wenn du den UBS abschabst, am besten vorher mit dem Gebläse erwärmen, dann geht´s einfacher. Es werden allerdings danach immer noch kleine Anhaftungen übrigbleiben. Diese lassen sich in der Regel aber problemlos mit ein wenig feinem Schleifpapier einebnen.
Der Einsatz von Negerkeksen ist sehr effektiv und das Blech wird nicht angegriffen. Allerdings wird die bearbeitete Stelle blankgeschliffen, so dass sie hinterher wieder versiegelt werden muss. Aber dass wird ja hinterher wohl ohnehin angedacht sein.
Da du mit Sicherheit Achsen und Antriebsstrang drin läßt, wird der Arbeitsaufwand entsprechend höher sein, da man vor allem im Bereich der Hinterachse deutliche Probleme hat, alle Bereiche vernünftig zu erreichen. Da ist also auch etwas Geduld gefragt. Insgesamt solltest du für die ganze Aktion ruhig mal mindestens acht Wochen einplanen, sofern sich am Blech nicht noch weitere Problemstellen aufzeigen, was leider häufig der Fall ist.
Wenn du dann den ganzen alten Rotz runter hast und auch die von unten einzusehenden Blechfalzen frei sind und gut aussehen, würde ich dir folgendes empfehlen:
Zunächst den gesamten bearbeiteten Unterbodenbereich ausgiebig mit Silikonreiniger abwaschen / reinigen. Dann am besten zunächst die Falzen mit
Oawtrol versiegeln. Ich habe dazu eine Spritze benutzt, das Zeug aufgezogen und in die Falzen gespritzt.
Owatrol ist sehr kriechfähig, härtet innerhalb von 24 Stunden aus und versiegelt so die Falzen von innen heraus und kann anschließend mit 1-K-Lacken überarbeitet werden (Achtung: Nicht für 2-K geeignet).
Da dein Unterboden nach der Bearbeitung jetzt zwar sauber ist, aber verschiedene Farbgebungen aufweisen dürfte, benötigt er natürlich wieder eine vernünftige, versiegelnde Deckschicht. Hier würde ich dir
Brantho Korrux 3 in 1 empfehlen. Ich habe damals zwei Schichten
Brantho Korrux mit der Rolle aufgetragen. Dabei hat sich im Ergebnis die gleiche Struktur herausgebildet, als wenn UBS aufgebracht worden wäre. Anschließend habe ich dann eine dritte Schicht aus Decklack in Wagenfarbe überlackiert. Heute würde ich das anders machen und mir sofort den passenden Farbton in Brantho Korrux anmischen lassen und die dritte Schicht dann auch daraus auftragen - zumal die Verarbeitung des Decklacks ohne Spritzpistole doch recht schwierig ist, wenns noch halbwegs aussehen soll. Damals war mir das Anmischen zu teuer, weil mir die Liter-Mindestabnahme für Farbanmischungen (vermeintlich) zu hoch lag. Wenn man aber den recht hohen Verbrauch beim Auftragen mit der Rolle berücksichtigt und außerdem den doch recht hohen Preis für den Glasurit Decklack, ist es aus meiner Sicht zweifellos die bessere Lösung. Zudem hat
Brantho Korrux eine dämmende Eigenschaft, so dass du bei mehreren Schichten in etwa den gleichen Effekt erzielst wie beim üblichen schwarzen UBS-Dämmschutz. Wenn all das fertig ist, trägst du zum Schluß noch zwei Schichten
transparenten UBS auf. Ich nehme hierzu
Perma Film transparent, das vollständig durchhärtet. So kann man später jederzeit aufs Blech sehen, um evt. Schadstellen zu erkennen.
Wenn du erst mal angefangen bist und der Unterboden deiner Pagode wieder strahlt, wirst du vermutlich Tank und Achsen auch noch auffrischen wollen. Das Lackieren geht eigentlich recht schnell - wenn du die Teile vorher endlich (und mühsam) sauber bekommen hast. Wenn du dich also dazu entschließt, auch dort Farbe aufzutragen, solltest du es allerdings vor dem Lackieren des Unterbodens machen. Ich habe hierzu Chassislack O.H. benutzt. Ist eine Kombigebinde, bestehend aus 750 ml Hempel-Yachtlack und 375 ml Owatrol Öl.
Viel Spaß bei der Arbeit. Die Produkte kannst du übrigens weitgehend beim Korrosionsschutzdepot Dirk Schucht beziehen (
Korrosionsschutz-Depot ). Kann ich i. S. Freundlichkeit und Hilfestellung nur empfehlen.
Gruß
Ulli
Kurzer Nachtrag:
...um den PVC freizulegen und Schadstellen zu sehen.
Um vernünftig zu kontrollieren, sollte der nach über 40 Jahren ohnehin weitgehend ausgehärtete originale PVC-UBS runtergeholt werden. Unterrostungen durch feinste Haarrisse lassen sich sonst nicht mit hundertprozentiger Sicherheit erkennen. Zudem wurde im Laufe der Jahre / Jahrzehnte häufig mit anderem UBS nachgebessert / kaschiert. Alles andere macht meiner Meinung nach wenig Sinn.